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Philip Rosedale und seine Idee eines Filters für Second Life » kriegs-recht.de

Philip Rosedale und seine Idee eines Filters für Second Life

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Diskussion um rechtsverletzende Contents und Vorgänge in „Second Life“ hat Philip Rosedale, Chef des Second Life-Betreibers Linden Lab, mit einem im aktuellen Focus abgedruckten Interview für Aufsehen gesorgt. Linden Lab wolle, so Rosedale,

ein Filtersystem in unsere Software integrieren. Damit soll jede reale Regierung regeln können, welchen Gesetzen ihre Bürger in „Second Life“ unterliegen. So könnte beispielsweise Deutschland festlegen, nur Nutzern ab 18 Jahren den Zugang zu gewähren.“

Ich bin gespannt, ob Linden Lab sich in nächster Zeit ausführlicher zu diesen Plänen äußern wird – denn ein Filter, wie Rosedale ihn beschreibt, wird Linden Labs zunehmend schwierigere rechtliche Situation kaum verbessern:

    -> Rosedales Äußerung läßt darauf schließen dass er annimmt, „Regierungen“ würden sich vorbeugend selbst darum kümmern, welche ihrer Bürger was in Second Life unternehmen. Diese Annahme ist ebenso utopisch wie die Vorstellung, dass staatliche Behörden zum Beispiel die Kontrolle über die eBay-Plattformen übernehmen und dafür sorgen würden, dass dort keine rechtlich fragwürdigen Auktionen mehr eingestellt werden.

    -> „Welchen Gesetzen (die User) in Second Life unterliegen“ ist nicht davon abhängig, ob eine Regierung ein Filtersystem nutzt. Oder ob ein solches Filtersystem überhaupt existiert. Second Life ist genauso wenig ein rechtsfreier Raum wie das World Wide Web. Und genau wie im WWW ist die Rechtslage in Second Life häufig kniffelig: Welches (nationale) Recht gilt im Einzelfall? Paßt das „alte Recht“ auf die „neuen Welten“? Und bestehen vielleicht Regelungslücken, die ein „neues Recht“ für die „neuen Welten“ erfordern? Ein Filtersystem – das, wie gezeigt, ohnehin vom Plattform-Betreiber und nicht von Regierungen einzusetzen wäre – kann die Einhaltung von Gesetzen (tendenziell) sichern. Aber kaum die Frage klären, welche Gesetze gelten.

    -> Ein automatisches Filtersystem wird vermutlich nur in Maßen geeignet sein, Rechtsverstöße in Second Life (oder auch anderen Metaversen) zu verhindern. Schon im „2D-Web“ ist die Programmierung effektiver Filter ein schwieriges Unterfangen, und in einer in vielerlei Hinsicht dynamischeren dreidimensionalen Umgebung dürfte dies keinesfalls leichter fallen.

Linden Lab steht momentan vor immensen Herausforderungen – auch, und das wird immer deutlicher, in rechtlicher Hinsicht. In einem Interview mit ABC hat Philip Rosedale vor kurzem geäußert, man wolle sich aus der Regulierung und Kontrolle von Second Life so weit wie möglich heraushalten: „We want to govern as little as we can„, so der Linden Lab-Chef. Dass dieses gewünschte kleinstmögliche „little“ am Ende unter Umständen gar nicht so klein sein wird, zeigt ein Blick auf die deutsche Rechtsprechung zur möglichen Haftung von Online-Auktionshäusern für rechtswidrige Auktionen – und wird auch klar, wenn man an die derzeitige Diskussion zur „Forenhaftung“ denkt.

Um das „Web 2.0“ und auch die Idee des „User Generated Content“ nicht über die Maßen zu torpedieren, ist eine Weiterentwicklung des Rechts – auch und vor allem in Deutschland – erforderlich. Ebenso wie Gesetzgeber und Gerichte sind aber auch Plattformbetreiber wie Linden Lab gefordert, sich nicht auf eine passive, abwartende Haltung zurückzuziehen. Tun sie dies, dann könnte es passieren, dass sie am Ende aus der Defensive nicht mehr herauskommen.

  1. Also ich habe jetzt verschiedene Lindens dazu genervt und alles was ich bislang heraushörte war, dass es wohl keine konkreten Pläne für diese Filterung gibt (auch andere Blogger bitte nicht alles dem Focus glauben und lieber bei Sprechstunden nachfragen, sind wir nicht die besseren Journalisten? ;-).

    Wie ich es verstehe, untersucht man, welche Dinge man tun muss um (im Endeffekt) am Leben zu bleiben. Evtl. reicht also die geplante Altersverifikation aus.

    Da die Diskussion im übrigen auf Deutschland beschränkt zu sein scheint (und auch hier nicht wirklich kocht), gehe ich aber auch nicht davon aus, dass sich Linden Lab dazu noch weiter äussern wird.
    Robin wollte aber nochmal nachhören.

    Ansonsten danke aber für die weiteren Erklärung, LL sollte sich mit euch zusammentun :-)

    Ansonsten war mit dem „govern as little as possible“ glaub ich auch mehr das in-world-Verhalten gemeint. Anstatt also alle Abuse Reports selbst bearbeiten zu müssen, soll das ja nach und nach in die Hände der Bewohner übergehen. Da geht es dann um so Sachen, ob eine Nachbarschaft Werbeschilder oder Shops etc. in ihrer Umgebung dulden will und ähnliche Dinge.

    Rechtliche Problematiken sind sicher ein anderes Thema, allerdings ja nicht nur für Linden Lab, sondern für alle möglichen Web2.0-Unternehmen. Es wäre schön, wenn man es schaffen würde, das Netz doch so offen wie möglich zu halten (also nicht so wie in Korea, wo man ja jetzt erstmal seinen Realnamen verifizieren muss, bevor man in einem Forum posten darf. Zumindest, wenn ich das richtig verstanden habe).

    Die Frage wäre noch, wie eine aktivere Rolle in diesem Bereich aussehen mag.

  2. Christian/Tao,

    danke für die weiteren Informationen. Was die konkreten Pläne für einen Filter angeht: ich selbst bin – wie geschrieben – der Meinung, dass ein Filter nur schwer zu entwickeln ist und „unter dem Strich“ nicht unbedingt sonderlich helfen wird. Allerdings hat ja nicht „der Focus“ vom Filter geschrieben, sondern Philip Rosedale selbst das Thema im Interview aufgebracht.

    „Govern as little as possible“: ja, sicher hat Linden Lab hier (auch) die Durchsetzung von Regeln in Second Life im Auge. Allerdings haben Plattformbetreiber wie Linden Lab ja durchaus die Möglichkeit, in gewissem Maße auch durch eigene Regelwerke Rechtsunsicherheiten zu begegnen. Ich bin gespannt, inwieweit Linden Lab hier die alte Linie noch einmal überdenken wird.

    Es kann meiner Meinung nach ganz interessant sein sich noch einmal anzusehen, wie eBay mit diesem Themenkomplex umgegangen ist. eBay ist auf den ersten Blick etwas ganz anderes als Second Life – aber dann gibt es doch wesentliche Parallelen: beide Firmen bieten Plattformen für User, auf denen im Wesentlichen die User, und nicht die Plattformbetreiber agieren. Beide Firmen hatten und haben große Probleme (nicht nur) mit Blick auf eine eventuelle Haftung für die Contents der User.

    In den Jahren 1999 bis 2001 hatte eBay / alando in Deutschland noch stark auf die Community gesetzt, und tatsächlich gab es viele User, die zB durch das Melden illegaler Auktionen mitgeholfen haben, den Marktplatz „sauber“ zu halten. Zunehmend hat dies dann jedoch abgenommen – und es stellt sich ohnehin immer die Frage, inwieweit die Modelle „Community“ und „profitorientiertes Unternehmen“ sich miteinander harmonisieren lassen (womit ich nicht sagen will, dass dies unmöglich ist).

  3. […] Interessant ist Linden Labs Vorgehen gegen das Glücksspiel vor allem deshalb, weil die Firma zunehmend unter Druck gesetzt werden dürfte, auf eine Einhaltung der “Real Life Laws” zu achten. Während Second Life Chef Philip Rosedale in einem vor kurzem im Focus abgedruckten Interview noch so verstanden werden konnte, dass er den Ball eher den staatlichen Behörden zuspielen wollte, […]

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