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Meinungsführer. Meinungsführer? » kriegs-recht.de

Meinungsführer. Meinungsführer?

Die Redaktion des Magazins „pressesprecher“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe eine Kurzstudie darüber veröffentlicht, welche deutschen Medienrechts-Blogs bzw. Blogger als „Meinungsführer“ anzusehen seien. Das Ergebnis der Untersuchung: kriegs-recht.de wird als führend eingestuft, gefolgt von spreerecht.de, wbs-law.de und telemedicus.info. Die Kurzstudie steht zum kostenlosen Download als PDF zur Verfügung.

Natürlich habe ich mich über diese weitere positive Einschätzung meines Blogs gefreut. Allerdings sehe ich die Kurzstudie durchaus nicht unkritisch. Per E-Mail habe ich das Ganze mit einer Berufskollegin kurz diskutiert – und was liegt da näher, als die in diesen E-Mails niedergeschriebenen Gedanken auch hier noch einmal aufzugreifen.

Meinungen und Führung

Unabhängig von jedem kommunikationstheoretischem Hintergrund habe ich in diesem Kontext vor allem aus folgenden Gründen ein wenig Bauchschmerzen mit dem Begriff „Meinungsführer“:

„Führung“ bedeutet ja schlicht nichts anderes, als dass jemand bestimmt, „wo es lang geht“. Eine mit einer „Anordungsnungskompetenz“ verbundene formelle Hierarchie kann es im Bereich von Meinungen allerdings nicht geben. Kernfrage ist also, ob jemand sich in einer Position befindet, aufgrund der seine (oder ihre) Meinungen übernommen werden.

Maßgebliche Faktoren

Die Untersuchung im Pressesprecher überzeugt mich in dieser Hinsicht nicht. Meiner Ansicht nach wurden bei ihr ganz wesentliche Aspekte außer acht gelassen – unter anderem Aspekte, die ohnehin nur schwer oder gar nicht zu messen wären:

  • In der Studie wurde meinem Eindruck nach nach auch von „Reichweite“ auf „Meinungsführerschaft“ geschlossen, beispielsweise indem die Anzahl der Twitter-Follower und der Facebook-Likes mit einbezogen wurde. „Reichweite“ und „Meinungsführerschaft“ gehen aber nicht zwingend miteinander einher. Gelegentlich kann eine große Reichweite ein Indikator dafür sein, dass Leser bereit sind, Meinungen aufzugreifen oder sogar anzunehmen – mehr aber nicht.
  • Bei der Messung – jeder Messung – von entsprechenden Faktoren kommen sodann (i) Auswahl der Faktoren und (ii) Messungenauigkeiten ins Spiel. Die Anzahl von Twitter-Followern wurde beispielsweise gemessen, die Anzahl von Kontakten auf Google+ beispielsweise aber nicht. Wie immer, wie bei jeder Erhebung: Schon die eingängliche Auswahl der Messkriterien bestimmt wesentlich das anschließende (wertende) Ergebnis.
  • Die „Qualität“ der Kontakte wurde nicht gemessen. Diese dürfte auch kaum messbar sein. Allerdings besteht durchaus ein Unterschied darin, ob 5.000 Youtube-Fans einem Twitter-Account folgen, oder 50 Fachjournalisten.
  • Und, schließlich ganz wesentlich: Werden auf den untersuchten Blogs überhaupt Meinungen geäußert? Diese Frage scheint mir vollkommen unter den Tisch gefallen. „Meinung“ und „Information“ teilen ja höchstens eine Schnittmenge hinsichtlich ihres Bedeutungsgehalts, entsprechend sich aber doch grundsätzlich nicht.

Die Relevanzdebatte

Meiner Ansicht kann es eine „Meinungsführerschaft“ durchaus in jedweder Hinsicht geben. Es kann durchaus sein, dass sich jemand in einer Position befindet, aufgrund der seinen bzw. ihren Meinungen gefolgt wird. Nur messbar ist diese Form der Meinungsführerschaft wohl nur schwer, und mit der hier vorliegenden Untersuchung meiner bescheidenen Meinung nach eher gar nicht.

„Influencer“, „Multiplikator“ oder „Reichweite“, vielleicht auch „Kommunikationsstärke“ wären meiner Ansicht daher bessere, weil genauere Aufhänger für die Präsentation der Ergebnisse dieser Kurzstudie gewesen. Wenn man ganz vermessen wäre, dann vielleicht noch „Relevanz“.

Aber vielleicht schauen wir als Juristen da auch genauer auf den Wortsinn als Nichturisten?

  1. Sachar sagt:

    Eine sehr, sehr spannende Frage – die nach dem Wesen der Meinungsführerschaft. Wenn Du das weiter ausarbeitest und programmierst, hättest Du nicht nur ein deutsches Klout sondern auch ein sehr begehrtes Produkt.

  2. Frank sagt:

    Ich würde dem Autor hier auch zustimmen, besonders nachdem ich das PDF gesehen habe.

    Aber unterstreicht nicht gerade dieses die Meinungsführerschaft?
    Antwortet man ihm, dem Autor, „ja, du hast recht!“, dann hat er die Meinungsführung bereits übernommen noch ehe man es merkt.

    Antwortet man aber verneinend und bestätigt ihm seine Meinungsführerschaft, hat er sie sowieso schon vorher erhalten und man schmiert ihm zudem noch „Honig ums Maul“.

    Der ganze Artikel ist Meinung, wie bei Sasha Lobo auch, und eigentlich dürfte man ihm gar nicht anworten, wollte man der Studie nicht entsprechen. Offensichtlich hat der Autor gerne „Mühle“ gespielt :-)

    • Huh, ein interessanter Ansatz. Aber selbst wenn man mir als – vielleicht sogar geneigert – Leser in dieser Frage zustimmt, so würde dies ja noch nicht bedeuten, dass ich eine darüber hinausgehende allgemeine Meinungsführerschaft hätte…

      • Frank sagt:

        Das stimmt, eine über diesen Artikel hinausgehende Meinungsführerschaft ließe sich damit nicht feststellen.
        Um es halbwegs feststellen zu können, müsste man eine Meinung entwerfen und in die Welt stellen und schauen, was die Follower daraus machen.
        Diskutieren sie über die Meinung und folgen sie ihr oder verwerfen sie sie?
        Wird es weiterverbeitet (Retweets und Likes kann man eingeschränkt als Meinungsübernahme sehen, aber manchmal dient es nur zur Information oder gar Oppositionsmeinung)?

        Angenommen es würden viele Leser der Meinung zustimmen, dann wäre man als Autor der Meinung in der Form Meinungsführer, als dass man die Meinung schriftlich aufzeichnete und veröffentlichte. Die Leser folgen der Meinung, weil sie in etwa der gleichen Meinung sind.

        Aber das hätte noch nichts mit einem Meinungsführer zu tun, der in Form eines Meinungsbildners auftaucht. Meinungsbildung wäre der nächste Schritt, indem ich bei anderen Menschen eine vorher nicht vorhandene Meinung erzeuge. Ich glaube, dass es das ist was hier im Artikel verneint wird: Die Meinungsbildung.

        Kommt das hin?
        Denn dann könnte man sagen, die Studie hat für den ersten Teil recht aber nicht für den Teil Meinungsbildung.

  3. RA HHH sagt:

    ..habe Ihnen ja schon am Wochenende bei der AGEM interessiert zugehört. Die Studie ist für mich zu hoch.
    Was ist mit „LAW-BLOG“ und „Beck-Blog“ usw. Die haben doch eine Vielzahl an Lesern und haufenweise Kommentare.

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