Taliban, Diebe und das Leistungsschutzrecht – Christoph Keese und Kay Oberbeck im Streitgespräch

6. Dezember 2012Allgemeinby Henning Krieg
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Die Diskussion um das umstrittene Leistungsschutzrecht hat einen neuen (aber sicher nicht letzten) Höhepunkt erreicht: “Google ist eine Art Talibanüberschreibt das Branchenblatt “Horizont” ein Interview mit Christoph Keese vom Axel Springer Verlag, “Verteidige Dein Netz” hält Google mit einer Kampagne dagegen und ruft die Bürger aka Internetnutzer zum Protest gegen das Leistungsschutzrecht auf. Mit immer stärkeren Worten und größeren Aktionen beharken sich dessen Befürworter und Gegner gegenseitig.

Der jüngste Showdown: Ein Streitgespräch zwischen Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs der Axel Springer AG und Befürworter des geplanten Leistungsschutzrechts, und Kay Oberbeck, Kommunikationschef von Google in Deutschland und als solcher naturgemäß kein Freund des Gesetzesvorhabens. Moderiert von Cherno Jobatey diskutierten Keese und Oberbeck am 6. Dezember eine knappe Stunde lang im Berliner BASE_camp im Rahmen der Veranstaltungsreihe UdlDigital über das Leistungsschutzrecht – Sachar Kriwoj und Karolin Quandt von E-Plus hatten Keese und Oberbeck an einen Tisch gebracht.

Ich habe das Streitgespräch nach Rücksprache mit Sachar Kriwoj mitgeschnitten – et voilà, hier ist es zu hören:

Punchline: In der Sache ist man sich sicher nicht näher gekommen, aber immerhin hat man beiderseitig versichert, dass man an einer Versachlichung der Diskussion interessiert sei. Ob dies wirklich geschehen wird bleibt abzuwarten – aber gut tun würde es der Sache sicherlich.

Keese und Oberbeck sind die wohl jeweils profiliertesten “Für- und Gegensprecher” des Leistungsschutzrechtes. Längst ist die Diskussion mit dem Vorliegen des dritten Gesetzesentwurfs aber an einem Punkt angekommen, an dem auch die öffentliche Diskussion nicht mehr nur durch die “Aushängeschilder” beider Seiten geführt werden sollten. Ich schätze beide, Keese und Oberbeck, als auf ihren Feldern überaus kompetente Persönlichkeiten. Und Ihr direktes Aufeinandertreffen und die unmittelbare, persönliche Diskussion ist ein überaus reizvolles Format. Es drängt sich aber der Eindruck auf, dass eine leicht modifizierte Form dieser Art von “Showdown-Diskussion” sowohl zielführender, als auch ergiebiger sein könnte: Unter Einbeziehung sowohl von Juristen als auch Technikern beider Seiten, in einem zeitlich ausgedehnteren Rahmen (bspw. drei direkt aneinander anschließender einstündiger “Runden”) und in noch stringenter, forschender geführter Moderation.

  1. Hallo Henning, vielen Dank für den Mitschnitt. Es ist klasse, die zwei Schwergewichte direkt und ungefiltert hören zu können. Ein Punkt, der mir persönlich in dieser Diskussion, wie auch in der Bundestagsdebatte gefehlt hat, ist die Auswirkung eines Leistungsschutzrechtes für kleine Suchmaschinen und kleine Aggregatoren. Google könnte sich den Aufwand leisten, Lizenzverträge mit jedem einzelnen der mehreren hundert deutschen Presseverlagen auszuhandeln. Kleine Aggregatoren hingegen, wie zum Beispiel Newstral.com, würden durch eine solche Anforderung für mehr als ein Jahr lahmgelegt werden, da gar nicht die finanziellen Kapazitäten zur Verfügung steht, so viele Verträge auszuhandeln. Also nicht nur das Zahlen von Lizenzkosten ist ein Problem, sondern allein das vertragliche aushandeln der Lizenzgebühren ist schon nicht finanzierbar. Newstral wäre nach 13 Jahren kaltgestellt und wirtschaftlich nicht weiter tragbar. Mal weit ausgeholt: Ist es nicht sogar verfassungswidrig, Gesetze zu erlassen, die das bestehende Geschäft alt eingesessener Unternehmen unmöglich machen?

  2. [...] Berichte zum UdL Digital Talk sind bei kriegs-recht, heise, Meedia und bei den Netzpiloten [...]

  3. Danke für den Mitschnitt.

  4. nik sagt:

    Schnell sprechende Personen in derbe halligen Räumen. So sehr mich das Thema interessiert, ich konnte das akkustisch leider nicht einmal eine Minute ertragen.

  5. [...] im Bundeskanzleramt: Informationsfreiheits-Anfrage könnte Erfolg der Entscheidung vereitelnStreitgespräch zwischen Christoph Keese (Springer) und Kay Oberbeck (Google) zum Leistungsschutzrec…leistungsschutzrecht.infoAuch in der Schweiz fordern Verleger ein Leistungsschutzrecht Twittern [...]

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