IKEA und die Hacker - Markenpflege vs. Markenrecht

Eine Definition:

    IKEA-Hack, der:
    “Aus gewöhnlichen Möbeln werden angepaßte Besonderheiten, die mal einfach viel schöner und mal einfach viel praktischer als das Original sind.” (Quelle)

IKEA-Hacks sind individuelle Anpassungen von IKEA-Möbeln. Viele IKEA-Fans bohren, schrauben und werkeln nicht nur so, wie es in den Bauanleitungen für Billy, Faktum und Rönnskär steht, sondern auch ganz, wie es ihnen selbst beliebt. Heraus kommen die “IKEA-Hacks” - und die sind populär. Wer bei Google nach “IKEA Hacks” sucht, der findet über 22.000 Treffer, wer dabei die Anführungszeichen weglässt, der stößt sogar auf über 2 Millionen Ergebnisse.

Ein Blog:

    “Zu sehen waren Basteleien wie diese auf der Internetseite Ikeahacker.de, einem Blog, in dem Tüftler wie Manuela oder Tom ihre Ideen vorstellten. Damit ist seit gestern Schluss. Der Betreiber der Webseite, Thomas Meyer, hat sein Blog aus dem Netz genommen - um einen Rechtsstreit mit Ikea zu vermeiden.” (Quelle)

Was ist passiert: Der Wiesbadener Thomas Meyer hatte die Domain ikeahacker.de angemeldet und dort Bauanleitungen für IKEA-Hacks veröffentlicht. Das allerdings, zumindest unter dieser Domain, zum Missfallen des blau-gelben Möbelhauses: inzwischen hat Meyer auf einen Hinweis von IKEA hin die Seite geschlossen. Unter der Internet-Adresse prangt nur noch ein großes “Closed”-Schild und ein Link auf diesen Artikel der Frankfurter Rundschau, die über die Hintergründe berichtet.

Eine Herausforderung:

    “Der Antragsgegner hat keinerlei Rechte an diesem Namen und kann als Nichtberechtigter auch nicht auf schützenswerte Belange verweisen, die im Rahmen der gebotenen Interessenabwägung zu seinen Gunsten zu berücksichtigen wären.” (Quelle, PDF-Dokument)

Dieses Zitat stammt aus einem kürzlich ergangenen Urteil - einem Urteil nicht gegen Thomas Meyer und sein “Ikeahacker”, sondern gegen jemanden, der sich mittels eines Blogs kritisch mit einem Unternehmen auseinandergesetzt und dabei ebenfalls eine Domain verwendet hatte, die den Namen des Unternehmens beinhaltete (www.FIRMENNAMEblog.de).

Dass ein Konflikt mit Marken- und Namensrechten droht, wenn man einen fremden Unternehmensnamen ohne Erlaubnis in einer URL verwendet, das müsste und dürfte auch den meisten “juristischen Laien” bewusst sein. Dass ein Unternehmen hiergegen möglicherweise vorgeht, kann also eigentlich nicht überraschen.

Eine Besonderheit am Fall von “Ikeahacker” ist nun, dass es sich um eine Fan-Seite gehandelt hat. Meyer hatte sich vor dem Start seines Blogs zudem an die Pressestelle von IKEA gewandt, um eine Erlaubnis für den Domainnamen zu bekommen, aber auch auf Nachfrage hin keine Antwort erhalten. Später wurde jedoch ein IKEA-Mitarbeiter durch Medienberichte auf die Webseite aufmerksam und kontaktierte Meyer. Im letzten Posting auf seinem Blog schilderte dieser den Dialog wie folgt:

    “Dieser Mitarbeiter nahm mit mir Kontakt auf und wir diskutierten die Situation. Das Ganze lief freundlich und ohne Androhung einer Abmahnung oder ähnlichen rechtlichen Schritten ab. Grundsätzlich hat IKEA keine Einwände gegen IKEAhacker.de und findet die Idee auch gut. Aber die Verwendung einiger Bilder und des IKEA-Logos sind mir fortan von IKEA untersagt. Diese beiden Punkte auszuräumen wäre ein einfaches. Allerdings beanstandet IKEA auch die Verwendung der Domain ikeahacker.de, da diese die Marke IKEA beinhaltet und somit gegen das Markenrecht verstößt.” (keine Quelle, da mittlerweile offline)

Was bleibt? Zunächst einmal das Erlebnis, dass IKEA nicht gleich die “rechtliche Keule” herausgeholt, sondern zunächst einmal angerufen hat. Keine “Kollerkommunikation” seitens des gelb-blauen Riesen also. Zudem bleibt wieder einmal die Erfahrung, dass die Abstimmung von Markenführung und Markenpflege mit Markenrecht und Markenschutz Firmen in der zunehmend interaktiveren und integrativeren Webwelt immer wieder vor neue Herausforderungen stellt - und auch weiter stellen wird. “Ikeahacker” wird mit Sicherheit nicht der letzte Fall seiner Art gewesen sein.

Vielleicht geht Thomas Meyer ja wieder online - www.schwedenhacker.de zum Beispiel wäre noch frei. Und sollte er dies nicht, so hat sich bereits Kai Müller bereit erklärt, auf seinem Stylespion-Blog in Zukunft mehr zu IKEA-Hacks zu veröffentlichen. Ich bin gespannt, was sich aus Billy, Faktum, Rönnskär & Co. noch so alles machen lässt.

Weiterführende Artikel:

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Leserkommentare zum Beitrag


  1. 1 Sebastian Tolk

    Das ist zwar ärgerlich, jedoch bewieß das ikea Management damit eine gewisse proffesionalität und macht daraus keine große Sache. Anders herum geht sowas zuweilen ja auch gerne mal nach Hinten los.

  2. 2 nimue

    und noch professioneller wäre es gewesen, eine lizenz zu erteilen und den werbeeffekt zu nutzen….

  3. 3 Aufgeklärter

    Die Art, der Umgang und die Antwort von IKEA kann als dickes Kompliment gewertet werden. Ist auch eine colle Seite!

  4. 4 Aufgeklärter

    LOL
    cool & toll = coll ;-)

  5. 5 Mirko

    Wie unfassbar, dieses Hobby!
    Aufjedefall sehr kreativ wäre fast was für unser Video gewesen. ;-)

    http://www.youtube.com/watch?v=O7jVJrjIsRs

    Mein persönlicher Platz 1!!! Ikea Hacking

  6. 6 Henning Krieg

    @nimue:
    In nicht wenigen Firmen - häufig insbesondere in größeren Konzernen - gibt es sehr strikte “Brand Guidelines”. Also Richtlinien darüber, wie die eigene Marke von wem wann und wo genutzt werden darf. Gerade bei Marken großer Unternehmen ist es häufig schwierig, (inten) eine Ausnahme von den Brand Guidelines für einen Einzelfall zuzulassen: Die müßte regelmäßig von einem (sehr) senioren Team des Managenemts oder der Rechtsabteilung zugelassen werden.

    @Mirko:
    Ist das jetzt viral? ;-)

  7. 7 wertfauna

    @mirko

    AUFKLEBER?! Wer hat eigentlich noch Aufkleber am Auto gesehen, außer “Feuerwehren retten-löschen-bergen-schützen”? Die Aufkleber oder besser die Aufklebenden von damals sind doch in der Mehrzahl Graffitientferner von Heute!

  8. 8 John Connor

    Die PR Abteilung Ikeas beweisst mit dieser Aktion eigentlich ihre Inkompetenz. Jeder Mensch der nen “Ikea Hack” nachbaut is zwangsläufig ein Kunde ^^. Sich solch eine GratisWerbung zu nichte zu machen is doch mehr als dumm. In Zeiten von “Web 2.0″ (ich weiß isn dummes Wort *g*) und Communitydenkens sollte Ikea die Seite zumindest dulden solange das Unternehmen keine Schaden dadurch erleidet oder irgendwelche Rechte verfallen (Gewohnheitsrecht usw.)

  9. 9 Philipp

    Hi,
    da fällt mir ganz Spontan die Geschichte zum Sony Aibo ein, dem kleinen Roboterhund von Sony, der mithilfe von Hacks u.a. Tanzen lernen sollte.

  10. 10 Thomas

    Habt ihr schon gesehen? Es gibt ein neues IKEA Forum in deutscher Sprache. http://www.ikea-fans.de

    Mal sehen, wie schnell das wieder weg ist…

  1. 1 Monitr
    Trackback on Aug 6th, 2007 at 15:17
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  12. 12 warum das Ganze? « Schwedenhacker’s Weblog
  13. 13 kriegs-recht.de : Ikeahacker, reloaded
  14. 14 www.best-practice-business.de/blog » Parts of Sweden als Anlaufstelle für IKEA-Fans
  15. 15 Ministerialer Impressums-Leitfaden - OMG! | blogoperium.de

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