IKEA und die Hacker – Neues vom Pressesprecher

Die Medienspirale dreht sich im Fall des IKEAhacker-Blogs immer schneller: nachdem inzwischen eine Vielzahl von Blogs darüber berichtet hat, dass IKEA die Veröffentlichung von Bastelanleitungen für so genannte „IKEA Hacks“ unter der Domain www.ikeahacker.de gar nicht so gerne sieht, nimmt sich jetzt auch die große, alte Dame SPIEGEL Online des Themas an.

Zur Erinnerung: der Wiebadener Thomas Meyer hat sein Blog für IKEA Hacks unter der Adresse www.ikeahacker.de offline genommen, nachdem die Firma ihm gegenüber auf die eigenen Namens- und Markenrechte gepocht hatte. Freundlich und ohne dabei einen Anwalt einzuschalten, aber bestimmt. Nicht nur bei den Berufswerbern und -Kommunikatoren Klaus Eck und Martin Oetting ist dieses Verhalten auf Kritik gestossen – schließlich habe Meyer Werbung für IKEA gemacht, nach der sich andere Firmen wohl die Finger lecken würden (die vollständige Vorgeschichte gibt es hier zu lesen).

IKEAs Reaktion auf SPIEGEL Online

SPIEGEL Online hat nun IKEA-Sprecher Kai Hartmann zum Fall befragt, und berichtet unter der doch recht deutlich wertenden Zwischen-Überschrift „Ignoranz als Web 2.0 Strategie„. Wie zuvor schon IKEA-Sprecher Andreas Jantke gegenüber „Text & Blog“ weist auch Hartmann gegenüber dem SPIEGEL auf die Verwechslungsgefahr hin: „Wenn man sich anschaut, wie da die Produkte umgebaut werden, dass sie zum Teil erheblich die Sicherheit gefährden – da dürfen wir als Ikea nicht das Risiko einer Verwechslung eingehen.“

Das Fazit des SPIEGELs: „Bei manchen Marken funktioniert Ignoranz eben als Web-2.0-Strategie. (…) Ikea bekommt offenbar gar nicht mit, dass der Konzern etwas Ähnliches erlebt: Die Kunden transportieren und schrauben jetzt nicht nur ihre Möbel zusammen – sie machen auch noch nebenher die beste Ikea-Werbung selbst.“

What the hack…

Ich persönlich bin ein wenig davon überrascht, dass IKEA immer noch – nur – auf die fragliche Sicherheit von „gehackten“ IKEA-Produkten hinweist. Zumal Thomas Meyer nach seinem Gespräch mit einem IKEA Mitarbeiter berichtet hatte: „Grundsätzlich hat IKEA keine Einwände gegen IKEAhacker.de und findet die Idee auch gut.“

Wie schon an anderer Stelle erläutert kann es gerade in Großunternehmen durchaus schwierig sein, Ausnahmen von meist bestehenden, häufig sogar weltweit geltenden „Brand Guidelines“ zuzulassen. Solche Brand Guidelines – ein befreundeter Firmen-Marketeer sprach mir gegenüber sogar von der „Marken-Bibel“ seiner Firma – können selbst einem nationalen Management enge Grenzen setzen. Der Name, die Marke, die Brand eines Unternehmens ist – gerade heute (!) – so wichtig, dass ich es auch unabhängig von allen rechtlichen Überlegungen verstehen kann, wenn ein Unternehmen einer Verwendung seiner Marke in einer URL sehr zurückhaltend gegenübersteht (wer jetzt auf Juristen als Bedenkenträger einprügeln möchte – bitte schön, unten ist das Kommentarfeld).

IKEA agiert hier zwar etwas lahm, aber grundsätzlich entspannt: Thomas Meyer wurde wegen des Blogs nicht durch einen Anwalt kostenpflichtig abgemahnt, sondern von einem Mitarbeiter angerufen. Die Domain ist übrigens immer noch auf ihn registriert.

Allerdings könnte IKEA spätestens jetzt auch einmal einen Zahn zulegen: Die Idee der IKEA Hacks ist brilliant, und in der Tat betreiben hier die Kunden das beste Marketing. Wer nach „IKEA Hack“ googelt, der kommt auf über 23.000 Treffer – unbezahlbar.

Ich bin gespannt, was IKEA aus dieser Sache macht. Und auch gespannt darauf, was Thomas Meyer tun wird. Die Domain www.schwedenhacker.de zum Beispiel ist noch frei. Und da www.ikeahacker.de noch registriert ist könnte man spekulieren, ob IKEA wohl zumindest einer temporären Weiterleitung auf eine neue URL zustimmen würde. Bis zum nächsten IKEA- a.ka.a. Schwedenhacker-Blog findet sich beim Spiegel eine überaus sehenswerte Auswahl von IKEA Hacks.

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  1. […] bringt einige Updates zum Thema Ikea-Hacker. Passt so oder so nicht zu dem sich offen und smypathisch gebenden Unternehmen, egal welche […]

  2. hiegl.net - schwedenhacker.de sagt:

    […] dass der ikeahacker-Betreiber Thomas Meyer das aufgreift. Er hat es nicht getan. In seinem neuesten Artikel zum Thema hat Henning erneut auf die freie Domain schwedenhacker.de verwiesen und daraufhin hat auch Robert […]

  3. Monitr » Blog Archive » Issue Management I: IKEA vs Online-Bastler [Update II] sagt:

    […] Fall auf Kriegs-recht.de: hier und hier In Issue Management […]

  4. imgriff.com sagt:

    Ikea: Hacks ja, aber nicht mit unserem Namen…

    Ikeahacks sind beliebt. Dem Umbauen der schwedischen Massenprodukte zu individuelleren Möbeln – oder gleich zu völlig anderen Nutzungen – widmet sich seit langem das amerikanische Blog ikeahacker.blogspot.com.
    Da gibt es Kunstpelz-Katzenbette…

  5. […] Sicher nicht ganz von der Hand zu weisen, aber nicht unbedingt zwingend… Mehr Details dazu hier, hier und hier. [↩]Wobei das "Vasa-Museet" unbedingt einen Besuch lohnt! Das 1628 bei […]

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