Datenschützer: Google Analytics rechtswidrig

Im Frühjahr dieses Jahres hat ein Urteil für großes Aufsehen gesorgt, in dem ein Berliner Amtsrichter die Speicherung von IP-Adressen ohne Einwilligung der betroffenen User als rechtswidrig einstufte (weitere Informationen zu diesem Urteil beispielsweise bei Berufskollege Thomas Schwenke). Jetzt ist es zu weiteren Entwicklungen gekommen, in deren Folge nicht wenige Webseitenbetreiber ihre Auftritte überarbeiten dürften.

Google Analytics auf dem Prüfstand

Denn relativ schnell rückte nach dem Berliner Urteil die Frage ins Rampenlicht, ob denn die Nutzung von Google Analytics, mit dem sich die Besucherströme auf Webseiten messen und analysieren lassen, rechtens sei: auch beim Einsatz von Google Analytics würden IP-Adressen gespeichert, und darüber hinaus stelle sich die Frage, ob Google nicht auch über den Einsatz von Cookies personenbezogene Daten erheben und speichern würde.

Die Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein und Berlin haben sich der Angelegenheit nun angenommen. Sowohl Google selbst, als auch Firmen, die Google Analytics einsetzen wurden angeschrieben und aufgefordert, umfassend über die Verwendung von Google Analytics Auskunft zu geben. In der dazu veröffentlichten Presseerklärung heißt es:

    (…) Dies hat den Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit sowie das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) veranlasst, hierzu eine Prüfaktion durchzuführen. Gemäß einem Bericht von futurezone@ORF.at haben über 80% aller gut besuchten Webseiten in Österreich und in Deutschland Google Analytics eingebaut. Google wurde von den beiden Landesdatenschutzbehörden aufgefordert, mitzuteilen, welche Unternehmen des jeweiligen Bundeslandes das Analysewerkzeug einsetzen. In einer ersten Stichprobe wurden Betreiber ausfindig gemacht und um Stellungnahme gebeten bzw. aufgefordert, dieses Werkzeug nicht mehr weiter zu nutzen“ (Quelle).

Zusätzlich zur Pressemeldung haben die Datenschützer auch das Schreiben an Google (siehe hier, PDF) sowie das an die kontaktierten Webseitenbetreiber gerichtete Anschreiben veröffentlicht (siehe hier, PDF).

Google Analytics auf dem Prüfstand?

Dabei wird deutlich, dass die Datenschützer bereits jetzt davon ausgehen, dass der Einsatz von Google Analytics klar rechtswidrig ist:

    Dr. Thilo Weichert, Leiter des ULD: „Wir waren verblüfft und schockiert, wie weit Google Analytics auch in Schleswig-Holstein verbreitet ist. Renommierte Medien- und Internetunternehmen gehören zu deren Nutzern ebenso wie viele Anbieter aus der Tourismus- und der Dienstleistungsbranche; ja politische Parteien, öffentliche Stellen des Landes und Hochschulen setzen den kostenlosen, aber datenschutzwidrigen Service ein. Den meisten Betreibern dürfte nicht vollständig bewusst sein, dass sie mit dem Einsatz von Google Analytics einen Service in Anspruch nehmen, bei dem Daten in die USA übermittelt werden, die dort umfassend ausgewertet und genutzt werden, und dass dies die Datenschutzrechte der Webseitenbesucher verletzt“ (…)“ (Hervorhebung hinzugefügt, Quelle).

Da ließe sich schon fast konstatieren, dass Google Analytics schon gar nicht mehr auf dem Prüfstand steht – sondern nach Meinung der Prüfer auf keinen Fall mehr durch den TÜV kommen soll. Die Verblüffung der Datenschützer verblüfft dabei ein wenig: es dürfte in Fachkreisen allgemein bekannt sein, dass Google Analytics nicht nur auf „gut besuchten Webseiten“ häufig eingebaut ist, sondern sich allgemein überaus großer Beliebtheit erfreut.

Unabhängig davon, wie sich dieser – sehr interessante – Vorgang nun weiter entwicklen wird: Das Beispiel Google Analytics zeigt erneut, dass es dringend auch einer Überarbeitung des Datenschutzrechts seitens des Gesetzgebers bedarf. Datenschutz ist überaus wichtig, und wird vor der immer noch zunehmenden Nutzung und Weiterentwicklung der „neuen Medien“ nicht unwichtiger. Gleichzeitig gilt es, für die Anbieter von Diensten sinnvolle und praktikable Möglichkeiten zu schaffen und zu gewährleisten. Nicht immer reflektiert das geltende Datenschutzrecht den Stand der technischen Entwicklung – es bedarf dringend eines Updates.

  1. Hallo Henning,

    was bedeutet das denn nun im Klartext für den Website-Betreiber bzw. kommt nun die große Abmahnwelle an alle Google-Analytics Nutzer?

    Danke!

    Ralf

  2. Das pikante an Google Analytics ist doch, dass viele kleine und große Webseiten die Daten ihrer Besucher von einem einzigen Unternehmen sammeln lassen – und dass dieses somit „site-übergreifend“ auswerten und Profile erstellen kann.

    Dies ist IMO hauptsächlich ein Einstellungsproblem bei den Webmastern, die Analytics benutzen und sich „bequeme, chique Auswertungen“ kaufen und mit den Daten ihrer Nutzer bezahlen.

    Und das ist auch hier in diesem Blog der Fall.

  3. […] Hennings Artikel: Datenschützer: Google Analytics rechtswidrig. Grundproblematik ist, dass Google ein US-Unternehmen ist, demnach der Datenschutz etwas lockerer […]

  4. FreieNetze.de » Links für den 9.07.2008 sagt:

    […] kriegs-recht.de – Datenschützer: Google Analytics rechtswidrig […]

  5. Falk D. sagt:

    Niemand muss ich Google-Analytics ausliefern. Der Einsatz von Blockier- und Skriptverhinderungstechnik wird für den auf Privatsphäre bedachten überlebenswichtig und DAS Unterscheidungsmerkmal für die Browser sein. Selbst Firefox macht da zunehmend keine gute Figur.

  6. Klar kann man sich mit NoScript oder ähnlichem davor schützen. Aber ist es nicht bezeichnend, dass nur die etwas von Analytics oder anderen „Diensten“ etwas mitbekommen, die einen entsprechenden Blocker eingerichtet haben?

    Wer „die Gefahr“ nicht kennt/erahnt, der merkt auch nichts davon.

  7. […] Informationen: Datenschützer: Google Analytics rechtswidrig auf kriegs-recht.de Google Analytics bei Wikipedia Beitrag von akademie.de vom 29.05.2008 Artikel auf Recht 2.o vom […]

  8. @Ralf-Jürgen Stilz:

    Ralf, eine Einschätzung zu Deinen Fragen findest Du bspw. bei Carsten Ulbricht: http://tinyurl.com/58guov .

  9. Brandau sagt:

    Bei dem Link zum Kollegen Ulbricht ist der Punkt mit reingerutscht. Deswegen funktioniert er gegenwärtig nicht.

  10. @ Brandau:

    Danke für den Hinweis, ist behoben.

  11. Daniel sagt:

    Eine Alternative wäre auf Google Analytics zu verzichten und stattdessen auf andere Statistiktools zurückzugreifen. Im Gegensatz zu GA wird z.B. http://piwik.org auf dem eigenen Server gehostet und der User hat somit die Möglichkeit dafür zu sorgen, dass IPs nicht gespeichert werden. Ein Plugin für WordPress gibt es übrigens auch. Nur mal so. ;)

  12. Marcel sagt:

    Sehr interessanter Beitrag, mal gespannt wie das Thema weitergeht!

  13. […] Datenschützer: Google Analytics rechtwidrig – Hennig Krieg berichtet, wie das bekannte und auf unzähligen großen und kleinen Webseiten im Einsatz befindliche Tool derzeit ins Visier der Datenschützer gerät. Brisant, denn eigentlich will fast jeder gerne wissen, wie die Besucher das eigene Blog oder die Homepage nutzen, um sie verbessern zu können und Fehler aufzuspüren. Hier kann Datenschutz richtig weh tun – wenn es denn wirklich so kommt, wie es sich andeutet. […]

  14. thomas sagt:

    Das Problem ist aber, dass es nicht nur die Trackinganbieter trifft.
    Hier kann man tatsächlich sher einfach auf eine eigene Serverlösung ausweichen.

    Es trifft aber viel mehr Services, beispielsweise Seiten mit Flash, Videos, Nachrichtenticker, Routenplaner, Bannersysteme, Bezahlsysteme, Adsenseprogramme, Adwords- und Affilateprogramme, etc.

    Praktisch alle die ein Script von einem weiteren Server laden (müssen).

    http://blog.datenschutzberatun.....analytics/

    Grüße
    Thomas

  15. […] I saw that the officials in Berlin, Germany announced that Google Analytics, the popular web analytics solution from Google, is not legal in Germany. The […]

  16. Google Analytics podría ser ilegal en Alemania sagt:

    […] que las leyes de privacidad europeas se le vuelven a poner en contra a Google, y esta vez son las alemanas las que dicen que el sistema de Google Analytics no cumple con las […]

  17. […] haben, so dass die Abwägung gegen die Counter ausschlägt. Falls nun wirklich einige der Counter illegal sein sollten, so ist dies ein weiterer […]

  18. Jack sagt:

    Wieviele User interessiert es denn überhaupt ob Ihre Daten nun weiterverwertet werden oder nicht? Man könnte von einem 2%igen Internet-user Anteil ausgehen, der sich schon einmal diesem Thema angenommen hat. 0,01% davon denken, dass es sicher irgend eine Möglichkeit gibt aus dieser Verletzung des Datenschutzes Profit zu schlagen. Der Rest denkt „was für eine Frechheit“ und befasst sich nicht mehr weiter damit. So ist man sich wohl bewusst, dass man schon bei so manchem Online-Einkauf ausspioniert wurde um jenes den Multis nützlichen Kaufverhalten zu eruieren. Woher sollten sonst Unternehmer und Analytiker gezielt wissen, was User wirklich interessiert oder zumindest wofür sie gerne unnötig Geld ausgeben…

  19. TRB 085: Südafrika, Juristerei, PräsentationenbeiTrackback sagt:

    […] vor der Abmahnfalle Flickr-Mosaik 39:34 Thorsten Feldmann findet Google Analytics nicht so schlimm, wie die Datenschützer 47:55 Jochen Mai erklärt, wie man richtig […]

  20. […] Der so genannte “Düsseldorfer Kreis“, das Koordinierungsgremium der obersten Aufsichtsbehörden für den Datenschutz in der Wirtschaft, hat sich mit Googles “Street View” beschäftigt und am 14. November einen Beschluss zur “Datenschutzrechtliche(n) Bewertung von digitalen Straßenansichten insbesondere im Internet” gefasst. Street View war bereits vorher in die Kritik geraten, insbesondere seitens der Datenschützer aus Schleswig-Holstein, die Street View schlicht für rechtswidrig halten (und die Google auch schon aufgrund deren Dienstes “Google Analytics” ins Visier genonmmen hatten). […]

  21. Daimler-Blog: Einblicke in einen Konzern » Zwei Jahre Daimler-Blog sagt:

    […] unsere Webanalyse um. In Absprache mit unserem Datenschutzbeauftragten haben wir aufgrund der anhaltenden Datenschutzdiskussion  Google Analytics durch etracker ersetzt. Zusätzliche Infos […]

  22. […] die Richter offen. Da eigentlich daraufhin nichts passierte, knöpften sich Datenschützer wenige Monate später erneut Website-Betreiber vor. Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz […]

  23. […] die Nutzung des Facebook-Like-Buttons vorgesehen. Und was der gute Mann im Juli 2008 über Google Analytics sagte, liest sich so: Wir waren verblüfft und schockiert, wie weit Google Analytics auch in […]

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