Qualitätsdiskussion des DJV: One for the show

Als der Deutschen Journalisten-Verband eine Podiumsdiskussion zum Thema “Anarchie oder Regeln? Journalismus im WWW” für den vergangenen Donnerstag ankündigte wußte ich nicht genau, was ich von der Veranstaltung erwarten sollte. Nach der Diskussion bin ich mir nicht unbedingt schlüssiger darüber, was ich nun von ihr halten soll.

Hans-Ulrich Joerges vom Stern

Wohl als Reaktion auf den Protest, den der DJV-Vorsitzende Michael Konken mit seinen, sagen wir, kritischen Äußerungen über Blogs hervorgerufen hatte lud der DJV zur Diskussion - Journalisten, Blogger und einen Medienwissenschaftler, insgesamt sieben an der Zahl, und damit schon rein quantitativ eine schlechte Besetzung für eine gute Diskussion.

Michaela May, Thomas Knüwer und Don Alphonso

Michaela May (N24), Thomas Knüwer (Handelsblatt)
und Don Alphonso (Don Alphonso)

Dass nichts Gutes bei der Diskussion herausgekommen ist liegt aber nicht nur an dieser (Über-) Besetzung. Von vornherein scheint der DJV ebensowenig wie ich gewusst zu haben, wo er mit der Diskussion denn überhaupt hinwollte. So hieß es in der Presseerklärung zur Veranstaltung: “Zwei aktuelle Gerichtsurteile zeigen aus Sicht des Deutschen Journalisten-Verbandes, dass der Online-Journalismus vor neuen qualitativen Herausforderungen steht.

Michael Konken

Diese zwei Urteile waren dann allerdings ausgerechnet die Perlentaucher-Entscheidung des OLG Frankfurt sowie das Hamburger Urteil gegen Stefan Niggemeier, in dem dieser für auf seinem Blog abgegebene Kommentare verantwortlich gehalten wird. Beide Verfahren haben meiner Meinung nach wenig (Niggemeier) bis gar nichts (Perlentaucher) mit dem Thema der Qualitätsstandards im Onlinejournalismus zu tun.

Björn Sievers

Björn Sievers (Focus Online)

Bezeichnenderweise wurde das Perlentaucher-Urteil dann auch weder an-, geschweige denn besprochen. Über Leserkommentare auf Blogs, in Foren und auf Medienseiten läßt sich - und ließ sich dann auch - zwar trefflich diskutieren. Aber hier diskutiert man (insbesondere im Licht der Hamburger Entscheidung) doch eher nicht über den Kern der vom DJV aufgeworfenen Frage: was sind die Standards für guten Journalismus im Internet.

Prof. Wolfgang Donsbach

Prof. Wolfgang Donsbach (Uni Dresden) und
Alexander Fritsch (Reuters, Moderation)

Dabei bietet sich gerade - und gerade jetzt - die Frage nach dem Rechtsrahmen als Ausgangspunkt für die Diskussion über die ethischen und qualitativen Standards in den Onlinemedien an. Denn mit den §§ 54 ff. des Rundfunkstaatsvertrags existieren telemedienrechtliche Vorschriften, deren Reichweite bislang kaum geklärt ist. Es würde mich nicht überraschen, wenn 2008 zum ersten Mal das Recht auf eine Gegendarstellung in einem Blog durchgesetzt würde.

Porsche Serviette bei VW

Lokationssponsor (zumindest den Servietten nach)

Was die Podiumsdiskussion des DJV angeht - nach ihr bin ich immerhin über eines besser im Bilde: ich muss mich noch etwas vertrauter mit der Weißabgleichfunktion meiner Kamera machen (siehe oben). Das ist doch auch schon mal eine Erkenntnis.

(Die Diskussion wurde vom DJV aufgezeichnet und kann hier im Video nachverfolgt werden. Wer sich einen Überlick über die anschließende Diskussion im Netz verschaffen möchte, der findet bei onlinejournalismus.de eine umfassende Übersicht.)

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Leserkommentare zum Beitrag


  1. 1 stefan niggemeier

    darf ich mal ganz unqualifiziert sagen, wie gut mir die fotos gefallen?

  2. 2 Marc | Wissenswerkstatt

    Ja, gute Photos, wenn auch ein klein wenig gelbstichig, wie du ja selbst bemerkt hast.

    Aber deine Anmerkungen und Feststellungen bzgl. der Diskussion sind genauso zutreffend: im Grunde wurde das Thema Qualitätsstandards überhaupt nicht angesprochen. Seitens Joerges und Co. wurde auf Kommentar-Trolle hingewiesen und wieder einmal die Commentfunktion (die jedem offen steht) und die Blogger (die ja deutlich seltener Müll absondern) in einen Topf geworfen. Und Konken kam mal wieder mit seinem Anonymitätsvorwurf.

    Und die Frage bzgl. der ersten Gegendarstellung in einem Blog ist wirklich spannend; war mit gar nicht bewußt, daß es sowas ja bislang gar nicht gab, aber es wohl eher eine Frage der Zeit ist.

    Ich selbst hätte nichts dagegen, wenn so ein “Instrument” eingeführt und genutzt werden würde; wäre ein Schritt auf dem Weg zu mehr Blogprofessionalität und -normalität.

    Und, kleine neugierige Nachfrage: auf einem der Photos ist ja auch Don Alphonso zu sehen. Nicht verwunderlich, es handelte sich ja um eine öffentliche Veranstaltung. Dennoch ist es ja so, daß Don in der Vergangenheit nicht so sehr erfreut darüber war, wenn Photos von ihm im Netz auftauchten. Tja, aber Du wirst das ggf. schon regeln. ;-)

  3. 3 Henning Krieg

    @stefan niggemeier:
    sehr gerne. :-)

    @Marc | Wissenswerkstatt:
    Das Instrument ist schon eingeführt, lies Dir bei Interesse doch einmal die (verlinkten) gesetzlichen Regelungen durch.

    Was die Fotos angeht: unabhängig davon, was rechtlich erlaubt ist verwende ich im Grundsatz Fotos auch dann nicht, wenn die abgebildeten Personen nicht damit einverstanden sind (außer, ich hätte einen besonderen Grund dafür) - insofern würde ich, ob Don oder oder jemand anderes, Bilder bei einer entsprechenden Nachfrage auch wieder herunternehmen.

  4. 4 Marc | Wissenswerkstatt

    @Henning:
    Ja, ich hatte das (hoffe ich) schon verstanden und mich nur etwas mißverständlich und nicht wirklich klar ausgedrückt. Mit “eingeführt” meinte ich schlicht, daß eben ein gewisses Vorgehen (also hier das Erwirken einer Gegendarstellung in einem Blog) auch faktisch gebraucht wird und somit ein übliches Instrumentarium darstellt.

    Daß es im Rundfunkstaatsvertrag (werde ich mir noch kurz durchlesen) vorgesehen ist, ist ja nur die eine Seite der Medaille, oder?

  5. 5 Marc | Wissenswerkstatt

    Kleine Anmerkung noch: ich hielte ja das “Instrument” Gegendarstellung für einen wirklichen Fortschritt. Wenn man (egal ob als Blogger oder Journalist) etwas verbockt, dann hat man diesen Fehler auch einzuräumen und Platz für eine Gegendarstellung freizuräumen.
    Doch leider sind Abmahnschreiben oftmals schneller verfasst und v.a. für die Anwaltsseite deutlich lukrativer.

  6. 6 martina wilczynski

    Hallo lieber Henning, wir saßen in dieser etwas seltsamen Vernstaltung nebeneinander. Und wir waren uns einig ,schon auf der Hälfte der Zeit:Hier sollte was diskutiert werden, was bei einigen Unwohlsein hervorgerufen hatte. So muss ich sagen ,den altgdienten Journalisten (sie leben wie immer hoch,hoch ) und denen ,die die Zeichen der Zeit ,erkannt haben, ist Augenhöhe geblieben! Und uns die Autoren und Blogger ,das eine oder andere Fragezeichen im Gesicht! Offenbar ,bedarf es weitere Diskussionen vom Stile her ,dann aber mehr in Richtung Willemsen/Plasberg-Suggerat!!! In diesem Sinne ,auf bald oder so!!
    Herzliche Grüße Martina

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  1. 1 onlinejournalismus.de - Das Magazin zum Thema » Blog Archive » DJV-Qualitätsdiskussion: Niveau einer Christiansen-Sendung

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