Seit circa einem halben Jahr ermöglicht Google es herauszufinden, wie viele Leser den RSS-Feed eines Blogs über einen Dienst von Google abonniert haben. Nach meinen Übersichten aus dem Oktober 2007 und dem Februar 2008 zu den in den vergangenen beiden Quartalen meistabonnierten Lawblog-Feeds ist es nun Zeit für eine aktualisierte Übersicht über die reichweitenstärksten deutschen Lawblog-Feeds.
Berücksichtigt wurden Lawblogs mit einer Mindest-Abonnentenzahl von 10, was bereits etwas über die Reichweite der “Blawgosphäre” aussagt - mehr hierzu im Anschluss an die Tabelle. In Klammern jeweils die Platzierung im Vorquartal (NE=Neueintritt, WE=Wiedereintritt) sowie die Abonnentenzahl im Vorquartal (wenn Sie sich fragen sollten, was RSS-Feeds und der Google Feedreader überhaupt sind - eine kurze Erklärung gibt es beispielweise hier).
Danach ergibt sich folgendes Bild:
Generelle Anmerkungen zur Aussagekraft der Angaben
Zu dieser Liste sind einige generelle Anmerkungen zu machen, denn natürlich stellt sich die Frage nach der Akkuranz der Zahlen. Die präzise Reichweitenmessung von Webseiten ist ein altbekanntes Problem, und selbst die Betreiber einer Webseite können häufig nur Näherungswerte bestimmen. “Von außen” läßt sich der auf Webseiten auflaufende Traffic so gut wie gar nicht ermitteln.
Die Abonenntenzahl eines Feeds lässt sich - vereinfachend gesprochen - deutlich leichter feststellen. Die große Besonderheit der vom Google Feedreader gelieferten Informationen ist, dass man mit ihnen sogar “von außen” einen gewissen Eindruck von der Reichweite eines Blogs gewinnen kann. Allerdings liefern die Informationen nur Auskunft darüber, wie häufig ein Feed über den Google Feedreader abonniert ist - da es aber eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten gibt, RSS-Feeds zu abonnieren, geben die Google-Zahlen damit nicht die volle Abonnentenzahl an. Nach Schätzungen liegt dieser Wert um den Faktor 4 bis 10 (!) höher. Hinzu kommt, dass ein “Abonnent” nicht unbedingt auch ein “Leser” sein muß. Es ist vollkommen unklar, wie viele RSS-Feeds durch mittlerweile ungenutzte Feedreader-Accounts abonniert sind und mitgezählt werden.
Die Ergebnisse im Einzelnen
Diese Zahlen lassen natürlich den “normalen” Webtraffic der Blogs aussen vor. Meiner Meinung nach wäre es allerdings vollkommen verfehlt, sich bei der Diskussion um den “Erfolg” eines Blogs (nur) am Traffic zu orientieren - ob ein Projekt erfolgreich ist, kommt schlicht darauf an, welche Ziele mit ihm verfolgt werden. Und das muß bei einem Blog nicht immer eine möglichst große Reichweite sein.
Deutlich wird aus den Zahlen aber, wie beschränkt die Reichweite der “Blawgosphäre” in Deutschland (noch) sein dürfte. Und die “Digital Divide” zwischen Udo Vetter und seinem auf Platz 1 geparkten Lawblog einerseits und dem “Long Tail” der Lawblogger andererseits hat im letzten Quartal zu- anstatt abgenommen. Andererseits lässt sich immerhin beobachten, dass immer mehr auf juristische Beiträge ausgerichtete Blogs betrieben werden. In der Masse wächst die Blawgosphäre also durchaus - wenn auch langsam.
Eine Besonderheit ist dabei das Beck-Blog. Der Verlag C.H. Beck, einer der renommiertesten deutschen juristischen Fachverlage, hat ein eigenes Meta-Blog an den Start geschickt. Derzeit noch ein Ausnahmeprojekt - das aber durchaus Signalwirkung haben könnte (und meiner Einschätzung nach auch haben dürfte). Die Zahlen des auf Platz 35 abgefallen Beck-Blogs dürften dabei nicht ganz zutreffend sein, vermutlich hat der Google Feedreader mit der Analyse des wohl kürzlich umgestellten Beck-Feeds Probleme.
Man sagt Juristen nach, dass sie Veränderungen und Neuerungen immer erst allmählich aufgreifen (wenn nicht gar nur allmählich wahrnehmen). Der “Tipping Point” könnte jedoch bald kommen - es bleibt spannend zu sehen, wohin es in der Blawgosphäre in der nächsten Zeit gehen wird.
Weiterführende Links
- Die meistabonnierten Lawblog-Feeds im Februar 2008
- Die meistabonnierten deutschen Lawblog-Fees im Oktober 2007
- Lawblogs und die Irrelevanz der Relevanzlisten
Hinweis
Sollte ich ein Blawg mit mindestens 10 Feedreader-Abonnenten nicht berücksichtigt haben, dann bitte ich um Hinweis in den Kommentaren. Ich werde dieses Blawg dann in der nächsten Liste (im nächsten Quartal) berücksichtigen.

Gibts eine Erklärung, wieso Archivalia (Archivrecht) gegenüber Februar 2008 nicht mehr vertreten ist?
@Klaus Graf:
Ich hatte darüber nachgedacht, ob ich das von mir geschätzte Archivalia wieder aufführen soll - allerdings ist Archivalia meiner Meinung nach kein “Lawblog”, sondern bietet eben neben vielen anderen Rubriken “nur” auch eine zum Archivrecht. Eine Listung von Archivalia hätte meiner Meinung daher das Bild verzerrt, da ein Großteil (wenn nicht gar der größte Teil) der Feed-Abonnenten nicht speziell auf das Archivrecht “aus sind”. Die nächste Überlegung war, dass, wenn Archivalia gelistet würde, auch eine Vielzahl anderer Blogs beachtet werden müßte - nehmen wir einmal das Beispiel http://www.netzpolitik.org, auf dem Markus Beckedahl und einige andere Autoren mit großem Aufwand auch viele rechtliche Themen aufgreifen. Aber zur “Blawgosphäre” gehört auch netzpolitik.org deshalb noch nicht.