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DB Research: Damoklesschwert über Second Life

Der „Think Tank“ der Deutschen Bank, DB Research, hat einen interessanten Kommentar zum Wechselspiel zwischen dem Rechtsrahmen virtueller Welten wie Second Life und deren wirtschaftlicher Entwicklung veröffentlicht. Ausgangspunkt der Überlegungen von Dr. Stefan Heng und Moritz Meyer ist, dass gerade der – derzeit noch – bestehende rechtliche Freiraum Katalysator für die Kreativität und somit die Wirtschaft in Second Life sei:

Für die kreativen Menschen hinter den Avataren übt der große Freiraum bei allen Aktivitäten in der virtuellen Welt eine enorme Anziehungskraft aus. Gemäß diesem libertären Ansatz gibt es in der virtuellen Welt keinen streng vorgegebenen Rechtsrahmen. Stattdessen entwickeln die Bewohner ihre eigenen Grundsätze des Zusammenlebens. Die Durchsetzung dieser Grundsätze gründet weitgehend auf der sozialen Reputation, einer für die Handlungsoptionen der Avatare entscheidende Größe. Dabei offenbart sich auch hier die enge Verknüpfung zwischen virtueller und körperlicher Welt. So bilden sich im Wettbewerb der sozialen Gemeinschaften innerhalb der virtuellen Welt immer klarer solche Regeln heraus, die wir aus der körperlichen Welt kennen.“

Dabei sehen Heng und Meyer im Wechselspiel von Rechtsrahmen und wirtschaftlicher Entwicklung allerdings ein Dilemma am Horizont, das wie ein Damoklesschwert über Second Life hänge:

Dem Rausch der Anfangszeit folgt also auch in der virtuellen Welt die Ernüchterung des Alltags. Dabei stellt dieser Alltag immer mehr in Frage, ob eine virtuelle Welt überhaupt auf längere Zeit funktionieren kann. Das Überleben der virtuellen Welt hängt davon ab, dass eine Lösung für das systemimmanente Dilemma gefunden wird. Dieses Dilemma besteht darin, dass die virtuelle Welt zum einen eine Heimstätte für die Kreativen sein will. Zum anderen braucht die Ökonomie in der virtuellen Welt verlässliche Rahmenbedingungen, um weiter wachsen zu können. Regeln und Normen schränken aber Kreativität ein und verprellen so manchen kreativen Kopf, der eigentlich zu mehr Aktivität in der virtuellen Welt animiert werden sollte. Letztlich pendelt der klassische staatsphilosophische Streit zwischen Freiheit und Intervention wie ein Damoklesschwert über dem Lebensfaden der virtuellen Welt.

Wenn ich auch einer der diesen Überlegungen zugrunde liegenden, fundamentalen Annahmen kritisch gegenüber stehe – auch in virtuellen Welten gibt es nämlich mit den auch dort geltenden „ganz normalen Gesetzen“ einen „streng vorgegebenen Rechtsrahmen“, eine „Lockerung“ folgt höchstens aus einer (derzeit noch) zurückhaltenderen Durchsetzung dieses Rahmens – so finde ich die Ausführungen Hengs und Meyers doch höchst interessant und lesenswert. Denn da zum Beispiel jeder Rechtsrahmen letztlich nur dann Wirkung entfaltet, wenn er auch tatsächlich durchgesetzt wird, die Durchsetzung in Second Life jedoch eine der wesentlichen Herausforderungen ist, gewinnen die Ausführungen der DB Research spätestens in dieser Stufe wieder absolute Relevanz.

  1. Raguse sagt:

    Guter Beitrag. Er zeigt auf, dass sich die „Leben“ im laufe der Zeit angleichen und es dann nichts besonderes mehr ist. Dies hat aber auch den Vortel, dass die Nutzung dadurch Breitentauglich wird und mehr Menschen das „zweite Leben“ als Normal betrachten – wiederum dann mit allen Vor- und Nachteilen.
    Bin gespannt auf weiteres dazu.

  2. […] auch “Ein rechtsfreier Raum?” und “DB Research: Damoklesschwert über Second Life” Share This veröffentlicht in Second Life & […]

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