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Podiumsdiskussion mit Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Ein kurzer Hinweis: Ich habe die Ehre, am 12. November im Vorlauf zum diesjährigen IT-Gipfel auf einer Podiumsdiskussion mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Vertretern von Google, IBM und Xing sowie dem bayerischen Datenschutzbeauftragten zur „Privatsphäre in der digitalen Welt“ zu diskutieren.

Die Veranstaltung in Essen bildet den Auftakt einer Diskussionsreihe zu den Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung auf unsere Gesellschaft. Aufbauend auf diesem ersten Gespräch werden in den nächsten Monaten bundesweit etwa zehn weitere Termine stattfinden, in welchen jeweils ein weiteres eigenständiges Themenfeld behandelt werden wird. Alle Veranstaltungen sollen im Internet begleitet und dokumentiert werden, 2013 werden die Ergebnisse dann in einer „Charta für eine digitale Gesellschaft“ zusammengefasst.

Auf dem Podium diskutieren bei der Auftaktveranstaltung die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM Deutschland, Martina Koederitz, der Leiter Recht von Google Deutschland, Dr. Arnd Haller, Prof. Dr. Dirk Heckmann von der Universität Passau, der neue Vorstandsvorsitzende von XING, Dr. Thomas Vollmoeller, der Bayerische Datenschutzbeauftragte Dr. Thomas Petri und meine Wenigkeit. Moderiert wird die Diskussion von Anke Zimmer-Helfrich, Chefredakteurin der MMR und der ZD.

Die jetzt anstehende erste Podiumsdiskussion ist übrigens öffentlich – wer möchte, der kann hier kostenlose Tickets für die Veranstaltung erhalten.

Meinungsführer. Meinungsführer?

Die Redaktion des Magazins „pressesprecher“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe eine Kurzstudie darüber veröffentlicht, welche deutschen Medienrechts-Blogs bzw. Blogger als „Meinungsführer“ anzusehen seien. Das Ergebnis der Untersuchung: kriegs-recht.de wird als führend eingestuft, gefolgt von spreerecht.de, wbs-law.de und telemedicus.info. Die Kurzstudie steht zum kostenlosen Download als PDF zur Verfügung.

Natürlich habe ich mich über diese weitere positive Einschätzung meines Blogs gefreut. Allerdings sehe ich die Kurzstudie durchaus nicht unkritisch. Per E-Mail habe ich das Ganze mit einer Berufskollegin kurz diskutiert – und was liegt da näher, als die in diesen E-Mails niedergeschriebenen Gedanken auch hier noch einmal aufzugreifen.

Meinungen und Führung

Unabhängig von jedem kommunikationstheoretischem Hintergrund habe ich in diesem Kontext vor allem aus folgenden Gründen ein wenig Bauchschmerzen mit dem Begriff „Meinungsführer“:

„Führung“ bedeutet ja schlicht nichts anderes, als dass jemand bestimmt, „wo es lang geht“. Eine mit einer „Anordungsnungskompetenz“ verbundene formelle Hierarchie kann es im Bereich von Meinungen allerdings nicht geben. Kernfrage ist also, ob jemand sich in einer Position befindet, aufgrund der seine (oder ihre) Meinungen übernommen werden.

Maßgebliche Faktoren

Die Untersuchung im Pressesprecher überzeugt mich in dieser Hinsicht nicht. Meiner Ansicht nach wurden bei ihr ganz wesentliche Aspekte außer acht gelassen – unter anderem Aspekte, die ohnehin nur schwer oder gar nicht zu messen wären:

  • In der Studie wurde meinem Eindruck nach nach auch von „Reichweite“ auf „Meinungsführerschaft“ geschlossen, beispielsweise indem die Anzahl der Twitter-Follower und der Facebook-Likes mit einbezogen wurde. „Reichweite“ und „Meinungsführerschaft“ gehen aber nicht zwingend miteinander einher. Gelegentlich kann eine große Reichweite ein Indikator dafür sein, dass Leser bereit sind, Meinungen aufzugreifen oder sogar anzunehmen – mehr aber nicht.
  • Bei der Messung – jeder Messung – von entsprechenden Faktoren kommen sodann (i) Auswahl der Faktoren und (ii) Messungenauigkeiten ins Spiel. Die Anzahl von Twitter-Followern wurde beispielsweise gemessen, die Anzahl von Kontakten auf Google+ beispielsweise aber nicht. Wie immer, wie bei jeder Erhebung: Schon die eingängliche Auswahl der Messkriterien bestimmt wesentlich das anschließende (wertende) Ergebnis.
  • Die „Qualität“ der Kontakte wurde nicht gemessen. Diese dürfte auch kaum messbar sein. Allerdings besteht durchaus ein Unterschied darin, ob 5.000 Youtube-Fans einem Twitter-Account folgen, oder 50 Fachjournalisten.
  • Und, schließlich ganz wesentlich: Werden auf den untersuchten Blogs überhaupt Meinungen geäußert? Diese Frage scheint mir vollkommen unter den Tisch gefallen. „Meinung“ und „Information“ teilen ja höchstens eine Schnittmenge hinsichtlich ihres Bedeutungsgehalts, entsprechend sich aber doch grundsätzlich nicht.

Die Relevanzdebatte

Meiner Ansicht kann es eine „Meinungsführerschaft“ durchaus in jedweder Hinsicht geben. Es kann durchaus sein, dass sich jemand in einer Position befindet, aufgrund der seinen bzw. ihren Meinungen gefolgt wird. Nur messbar ist diese Form der Meinungsführerschaft wohl nur schwer, und mit der hier vorliegenden Untersuchung meiner bescheidenen Meinung nach eher gar nicht.

„Influencer“, „Multiplikator“ oder „Reichweite“, vielleicht auch „Kommunikationsstärke“ wären meiner Ansicht daher bessere, weil genauere Aufhänger für die Präsentation der Ergebnisse dieser Kurzstudie gewesen. Wenn man ganz vermessen wäre, dann vielleicht noch „Relevanz“.

Aber vielleicht schauen wir als Juristen da auch genauer auf den Wortsinn als Nichturisten?

Von wo kommen die Besucher zu kriegs-recht.de?

Wer „ins Internet schreibt“, der möchte meist auch gerne wissen, von wo aus die Besucher auf seine Webseite gelangen. Ich bin in den Maschinenraum von kriegs-recht.de gestiegen, um mir Überblick über die bisher in 2012 für dieses Blog relevanten Trafficquellen zu verschaffen, und habe anhand der ermittelten Daten dann gleich einmal folgende Grafik erstellt:

Erläuterungen zur Grafik

Die Grafik gibt einen Überblick über die von Anfang Januar bis Anfang Mai 2012 relevanten Besucherquellen. Drei der aufgeführten Kategorien erfassen nicht nur eine Quelle, sondern fassen jeweils mehrere Quellen zusammen – namentlich die Kategorien „Medien“, „Blawgs“ und „Suchmaschinen“.

In der Kategorie „Medien“ sind die Besucher verzeichnet, die beispielsweise über Verlinkungen von den Webseiten von Spiegel Online, Focus, Stern, heise, intern.de, t3n, der taz und der Rhein-Zeitung zu kriegs-recht.de gekommen sind.

Die Kategorie „Blawgs“ sammelt Besucher, die über andere juristische Blogs auf diese Webseite gelangt sind, insbesondere (aber nicht nur) Art-Lawyer, dem Beck-Blog, CMS-HS, dem Feldblog, internet-law.de, Kanzlei Hoenig, dem Kartellblog, Klawtext, dem Lawblog, LHR, Palawa, Photoundrecht, Rechtambild, Rechtzweinull, Socialmediarecht, Spreerecht, Telemedicus und dem Vergabeblog (alphabetische Aufzählung).

Interessant, aber durchaus keine Überraschung: Bei fast 97 Prozent des Traffics, der auf kriegs-recht.de über Suchmaschinen aufschlägt, kommen die Besucher über eine Suche bei Google hierher.

Interpretation und Thesen

Schon aus diesen ermittelten Zahlen lassen sich meiner Ansicht nach Schlussfolgerungen für juristische Weblogs ziehen, von denen ich nachfolgend einige – angereichert um einige weitergehende Thesen – in Grundzügen darstellen möchte:

  • Social Media sind als Linkquellen für Blawgs relevant: Etwa 30 Prozent der Besucher sind 2012 bisher über Social Media wie Facebook oder Twitter auf kriegs-recht.de gelangt. Diese beiden Plattformen sind zugleich die größten Trafficbringer im Bereich Social Media: Nur 0,7 Prozent der Besucher kamen über Google+ auf dieses Blog, andere Plattformen wie beispielsweise Xing oder LinkedIn spielten quantitativ eine noch geringere Rolle.
  • Social Media ist kein Selbstläufer: Dass 30 Prozent der Besucher über Social Media Plattformen hierher gelangten liegt sicherlich auch daran, dass ich nicht zuletzt aufgrund meiner fachlichen Ausrichtung dort relativ gut vernetzt bin. Wer ähnliche Zahlen erwartet oder erhofft, der sollte sich auf diesen Plattformen also ebenfalls engagieren.
  • Trotz dominierender Stellung von Facebook und Twitter – auch andere Netzwerke sind relevant: Es wäre zu kurz gesprungen, allein auf eine quantitative Auswertung zu setzen. Am Ende des Tages ist die „Qualität“ der Besucher auf keinen Fall unwichtiger als deren Anzahl. Je nach Ausrichtung eines Blawgs bzw. „Blawgers“ können ein paar Dutzend Besucher, die über Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn auf die Seite gelangen, wichtiger sein als Tausende oder Zehntausende Besucher, die über Facebook kommen.
  • jurablogs.de spielt durchaus eine Rolle: jurablogs.de ist eine Portalseite, die (nach Registrierung durch die Blawger) die RSS-Feeds von Blawgs bündelt, Artikeltexte anteasert und dann auf das eigentliche Blog verlinkt. Insbesondere für Blawger, die mit ihrem Blog neu an den Start gehen, kann jurablogs.de wertvolle Starthilfe beim Bekanntmachen des Blogs leisten.
  • Vernetzung mit anderen Blawgern nicht vergessen: Würde eine Kanzlei in ihren Werbebroschüren auch auf die Dienste anderer (konkurrierender) Kanzleien hinweisen? Wohl kaum. Verlinken Blawger auch Artikel anderer (und somit konkurrierender) Anwälte? Durchaus – wie man anhand der Grafik (und den Links in diesem Artikel) sieht. What you give is what you get.

Dabei gilt: Die hier präsentierte Auswertung ist eine Momentaufnahme für das erste Drittel des Jahres 2012, und vor allem ist sie eine Momentaufnahme speziell für dieses Blog. Wie erwähnt lassen sich nach meiner Ansicht durchaus einige allgemeine Schlussfolgerungen für juristische Weblogs aus ihr ziehen, insbesondere über den allgemeinen Nutzen von Social Media Tools für Juristen. Allgemeingültig für die Situation sämtlicher Blawgs und Blawger ist und kann diese Auswertung aber natürlich nicht sein – dafür unterscheiden sich deren Hintergründe viel zu sehr voneinander.

Saisonrückblick zum Social Media Recht auf der re-publica 2012

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Kommende Woche findet vom 2. bis 4. Mai die re-publica in Berlin statt, und ich freue mich, zum fünften Mal bei der Veranstaltung an Bord zu sein. Die Leute hinter der re-publica um Johnny Häusler und Markus Beckedahl beschreiben die Konferenz – meiner Meinung nach ganz treffend – wie folgt:

„Was 2007 als „Klassentreffen“ von Bloggern, Internetaktivisten und Netzintellektuellen unter dem Motto „Leben im Netz“ mit 700 Teilnehmern begann, ist mittlerweile zu einer der größten Konferenzen Deutschlands über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft herangewachsen.“

Seit 2008 habe ich jedes Jahr auf der re-publica einen Workshop zu den Themen „Bloggen und Recht“ und später zu „Social Media Recht“ angeboten – 2008 noch als One-Man-Show, seit 2009 gemeinsam mit dem geschätzten Anwaltskollegen Thorsten Feldmann. Und auch in diesem Jahr werden wir uns mit einem Saisonrückblick den wichtigen rechtlichen Entwicklungen widmen, die es in den vergangenen zwölf Monaten in diesem Bereich gegeben hat. Zeit und Ort des Workshops: Donnerstag, 3. Mai, 15.00 Uhr auf Stage 8.

Stimmen der Anderen

Es gibt eine kleine Neuerung auf diesem Blog, auf die ich gerne ausdrücklich hinweisen möchte: In der Sidebar – also in der Spalte am rechten Rand – finden Sie ab sofort eine Rubrik „Stimmen der Anderen“. In dieser Rubrik verlinke ich die jeweils zwei aktuellsten Beiträge einer Reihe von Blogs, die ich für sehr lesenswert halte. Also, wenn Sie kriegs-recht.de in Zukunft wieder einmal besuchen, dann lassen Sie Ihren Blick gerne auch einmal zur rechten Spalte wandern.

Abgeschaut habe ich mir dies von Christoph Keese. Keese – der Konzerngeschäftsführers „Public Affairs“ der Axel Springer AG ist – bloggt selbst unter www.presseschauder.de. Als „Verlagsmensch“ bezieht er dort klare Stellungen vor allem in den aktuellen urheberrechtlichen Diskussionen. Streitbar, lesenswert.

Aber noch einmal kurz zurück zu den „Stimmen der Anderen“: Technisch umgesetzt habe ich diese Rubrik mit dem kostenlosen Plugin Blogroll Widget with RSS Feeds für WordPress. Da reine Leseempfehlungen nur noch selten über Blogpostings, sondern inzwischen meist über Twitter oder Facebook ausgesprochen werden hoffe ich, mit dieser Rubrik an einer (für kriegs-recht.de) zentralen Stelle Lesempfehlungen in sinnvoller Weise bündeln zu können. Vielleicht eine Anregung für den ein oder anderen bloggenden Kollegen, ebenfalls eine solche Rubrik einzurichten.

Kommentarentwicklung und Postingfrequenz auf kriegs-recht.de seit 2007

Blogs sind tot. Weil inzwischen fast jederman, der „ins soziale Netz schreibt“, lieber Facebook, Twitter, Google+ und Co. dafür nutzt. Und ohnehin: Wenn ein Blogposting überhaupt noch einmal eine Diskussion anstößt, dann findet die nicht mehr in den Blogkommentaren, sondern dezentral in den sozialen Netzwerken statt.

Zwei defätistische Ansichten, die ich in den letzten Monaten immer wieder gehört habe. Wie offenbar auch Martin Sauer, der schon seit 2005 das Blog admartinator.de betreibt. Sauer wollte der Sache auf den Grund gehen und hat einfach mal analysiert, wie sich die durchschnittliche Anzahl der Kommentare zu seinen Blogpostings im Laufe der Jahre entwickelt hat. Ergebnis: Von Abschwung kann auf seinem Blog keine Rede sein.

Kommentarentwicklung auf kriegs-recht.de

Sauer hat die Ergebnisse seiner Analyse in einer Grafik aufbereitet. Und als ich die gesehen habe hat es mich gereizt, das Ganze auch einmal für kriegs-recht.de zu tun – bitte sehr:

Auch hier gilt also: Von einem Abwärtstrend kann nicht dir Rede sein (der Gesamtschnitt über die vergangenen knapp fünf Jahre liegt übrigens bei 4,8 Kommentaren pro Blogposting hier auf kriegs-recht.de).

Postingfrequenz auf kriegs-recht.de

Und wo ich schon einmal den Rechenschieber angeschmissen hatte, da wollte ich bei der Gelegenheit auch gleich einmal nachsehen, wie sich die durchschnittliche Anzahl der von mir hier im Monat veröffentlichten Artikel entwickelt hat.

Hier ist dann ganz klar ein „Abwärtstrend“ zu beobachten. Die außerordentlich hohe monatliche Anzahl von Postings 2007 geht sicher zum Teil darauf zurück, dass ich meine Art zu Bloggen in den folgenden Jahren geändert habe – Postings wie diesen oder diesen, die sich schnell schreiben liessen, gab es danach seltener. Ganz im Gegenteil haben spätere Artikel wie beispielsweise der zu rechtlichen Fehlern von Webseiten der Mitglieder der Internet-Enquetekommission oder die Analyse, wie Juristen Twitter nutzen, zum Teil sehr hohen Aufwand gekostet.

Aber auch unabhängig davon lässt sich nicht verleugnen, dass die durchschnittliche monatliche Anzahl von Postings auf kriegs-recht.de über die Jahre kontinuierlich zurückgegangen ist. Ich glaube, es ist an der Zeit, diesem Trend einmal ein wenig entgegen zu wirken…

Und wie sieht’s bei den bloggenden Kollegen aus?

Das würde mich wirklich mal interessieren. Vielleicht hat der eine oder die andere ja auch einmal Lust, den Rechenschieber herauszuholen. Und wer sich ein klein wenig mit Code auskennt: Beim Admartinator gibt es ein kleines Skript, das die Arbeit erleichtert.