Archive for the ‘eBay & Auktionen’ category
Zwei Drittel der eBay-Nutzer Karteileichen – Teil II
Vor kurzem hatte ich auf eine Übersicht hingewiesen, nach der rund zwei Drittel der weltweit bei eBay registrierten Nutzer nur (noch) Karteileichen sind (als Karteileiche gilt dabei, wer innerhalb der letzten 12 Monate über seinen eBay Account weder etwas ge- noch verkauft hat).
Ich habe mir die Zahlen einmal etwas näher angeschaut, die vierteljährlichen Veränderungen im Detail berechnet und das Ganze dann grafisch aufbereitet:
Absolute Mitgliederzahlen eBay weltweit

Schon bei dieser Übersicht ist zu erkennen, dass die Gesamtzahl der weltweit bei eBay registrierten Nutzer (blaue Linie) bei leichter Abflachung der Kurve zwar immer noch relativ beständig steigt, die Schere zwischen den Kurven für die aktiven (pinkfarbene Linie) und die inaktiven Nutzer (gelbe Linie) jedoch zunehmend auseinandergeht.
Absolute Steigerungen der Nutzerzahlen im Vergleich zum Vorquartal

Hier ist nun deutlich zu erkennen, dass es eBay – obwohl sich die Anzahl der vierteljährlich neu gewonnenen Nutzer relativ konstant um die 10 Millionen zu bewegen scheint – zunehmend schwieriger fällt, die Gesamtzahl der aktiven Nutzer weiter zu erhöhen. Mehr und mehr scheinen die neuen Mitglieder nur noch den Verlust wieder abspringender Nutzer zu kompensieren.
Prozentuale Steigerungen der Nutzerzahlen im Vergleich zum Vorquartal

Die Übersicht über die prozentualen (und nicht absoluten) Steigerungen der Nutzerzahlen illustriert schileßlich zunächst den Trend, den schon die Grafik zu den absoluten Zuwächsen verdeutlicht. Gleichzeitig zeigt sie allerdings auch auf, dass sich die Wachstumskurve in Relation zur gesamten “User-Base” immer stärker abflacht.
“The greater picture”
Diese aus eBays eigenen Quartalsberichten zusammengestellten Zahlen scheinen eindrucksvoll. Allerdings sind sie, bei aller Deutlichkeit, natürlich nur von begrenzter Aussagekraft. Denn zum Beispiel
- - lassen sich aus der bloßen Information über die Zahl der registrierten Nutzer nur beschränkte Rückschlüsse ziehen – Faktoren wie die Anzahl der getätigten Ein- und/oder Verkäufe oder die Höhe des getätigten Umsatzes bleiben hier vollkommen außer Betracht; dass aber gerade diesen Daten eine überragende Bedeutung für die Monetarisierung seitens eBay zukommt, ist offensichtlich;
- stellt sich die Frage, wie die jeweiligen Zuwächse zustande gekommen sind – auf “organischem” Weg, oder aber auch durch Zukäufe von (internationalen) Mitbewerbern (was sowohl für den Neugewinn, aber auch für die spätere Aktivitätsquote der User von Bedeutung ist bzw. sein kann);
- dürften die Zahlen für einzelne Märkte wie zum Beispiel Deutschland, Großbritannien oder die USA unter dem Strich mindestens ebenso interessant, eventuell sogar noch aussagekräftiger sein als diese welttweiten Übersichten.
Es bleibt spannend zu sehen, wie sich eBay – sowohl die Marktplätze, als auch der gesamte Konzern – in Zukunft entwickeln wird. Wer sich für das Thema interessiert, findet beispielsweise bei Jochen Krischs Exciting Commerce Blog regelmäßig interessante Updates. Und zum Thema der Monetarisierung von Businessmodels im Web (2.0) sei beispielhaft auf diese Präsentation von Frank Engel hingewiesen.
eBay: zwei Drittel der Nutzer Karteileichen
eBay ist – quasi seit je her – eines der E-Commerce-Unternehmen mit den weltweit meisten Nutzern. Axel Gronen von wortfilter.de hat sich nun einmal die Mühe gemacht, den in den Quartalsberichten der vier letzten Jahre von eBay berichteten weltweiten Nutzerzahlen die Anzahl der inaktiven Nutzer gegenüberzustellen.
Bemerkenswert ist dabei, dass nicht nur die absolute Anzahl der inaktiven eBay-Nutzer naturgemäß steigt, sondern auch ihr prozentualer Anteil an der Gesamtzahl der Nutzer immer größer wird. Hatten Mitte 2003 noch “lediglich” knapp 55 Prozent der registrierten eBay-Nutzer die Plattform in den zurückliegenden zwölf Monaten nicht mehr genutzt, so waren es im vergangenen Quartal mehr als 65 Prozent.
Ebenfalls auffallend: während der letzten vier Jahre hat eBay pro Quartal durchschnittlich rund 3 Millionen neue aktive Nutzer hinzugewonnen. Betrachtet man allerdings nur die zurückliegenden vier Quartale, so ergibt sich ein deutlich schlechterer Durchschnittswert von nur noch rund 1,4 Millionen neuer aktiver Nutzer pro Quartal.
Zur vollständigen Gegenüberstellung geht es hier.
Das Kleingedruckte und das Kurzgedruckte
Bei so wenigen “sichtbaren Worten” fehlen mir fast dieselbigen:
Zur dazugehörigen eBay-Auktion geht es hier.
Hinter dieser Scrollbox verbirgt sich übrigens ein Text mit insgesamt gut 9.200 Zeichen – wer ihn ganz lesen wollte, müsste sich also durch rund 500 Zeilen quälen
(zur – grundsätzlich durchaus zulässigen – Verwendung von Scrollkästen bei der Widerrufsbelehrung und der Einbeziehung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen siehe auch den Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 09.05.2007, Az 6 W 61/07).
“71,1 Prozent wurden bei eBay betrogen”
Auf seinem Portal “wortfilter.de” hat Axel Gronen eine Umfrage zum Thema “Betrug bei eBay?” durchgeführt. Bemerkenswerte 3.769 Personen haben an der Befragung teilgenommen, und das Ergebnis scheint erschreckend: “71,1 Prozent wurden bei eBay betrogen“, titelt Gronen.
eBay hält sich mit konkreten Angaben zur Betrugsquote auf seiner Auktionsplattform traditionell zurück. Nur gelegentlich gibt zum Beispiel Firmenchefin Meg Whitman in Interviews an, dass der Anteil von Auktionen, in deren Verlauf es zu Schwierigkeiten komme, im Promille-Bereich oder sogar noch darunter läge.
Ein deutlicher Kontrast zu den Ergebnissen der Umfrage auf wortfilter.de. Diese Umfrage leidet jedoch darunter, dass die 3.769 Teilnehmer keine repräsentative Auswahl von eBay-Nutzern darstellen dürften. Axel Gronen selbst schreibt dazu:
“Natürlich ist so eine Umfrage nicht repräsentativ, denn die Leser von www.wortfilter.de sind wohl meistens bereits länger bei eBay aktiv. Und das Ergebnis bedeutet natürlich keineswegs, dass eBay besonders unsicher wäre: Schließlich wächst die Gefahr, irgendwann einmal betrogen zu werden, mit der Zeit und der Zahl abgewickelter Transaktionen stetig an.“
Unabhängig davon waren allerdings schon die Fragen der Umfrage leider so formuliert, dass das Ergebnis mit Blick auf die Betrugsquote bei eBay wertlos ist:

Anders, als in der ersten Frage suggeriert wird, liegt zum Beispiel auch dann häufig noch kein “Betrug” vor, wenn “bezahlte Ware nicht geliefert” wird. Geht beispielsweise ein Artikel beim Versand verloren, so ist dies kein “Betrug” des Verkäufers.
Und die Erfahrung zeigt, dass nicht hinter jeder vom Käufer angenommenen Abweichung der Ware von der Beschreibung auch ein “Betrug” steckt. Subjektive Unzufriedenheit auf Käuferseite impliziert (wie Juristen gerne sagen) nicht zwangsläufig eine Täuschung seitens des Verkäufers. Sprich: manchmal haben Käufer durchaus auch überzogene Erwartungen.
Aussagekräftige Zahlen zur Betrugsquote auf eBay liegen – öffentlich – nicht vor. Und ich bezweifle, dass dies einmal der Fall sein wird. Was mir durchaus möglich erscheint: einigermaßen verläßliche Zahlen zur subjektiven Zufriedenheit der eBay-Nutzer zu erheben. Und auf solche Zahlen wäre ich sehr gespannt.
Hinweis: ich habe in den Jahren 2000 und 2001 als “Manager Legal” für eBay Deutschland gearbeitet.
VFWI e.V. – ein neuer Abmahnverein?
Im vergangenen Winter sorgte ein Verein für einige Aufregung, der wegen angeblicher Rechtsverstöße Tausende von eBay-Verkäufern abmahnte und ihnen hierfür jeweils eine “Kostenpauschale” in Höhe von 146,10 Euro in Rechnung stellte. Tatsächlich war der Verein – der ausgerechnet “Ehrlich währt am längsten e.V.” hieß – jedoch gar nicht dazu berechtigt, diese Abmahnungen auszusprechen. Der Vereinsvorsitzende wurde, so berichtete Axel Gronen von wortfilter.de, im Frühling dieses Jahres zu einer Haftstrafe verurteilt.
Jetzt meldet Axel Gronen, dass erneut ein Verein begonnen habe, gewerblichen eBay-Verkäufern “warnende Briefe” zu senden. Diesmal ist es der “Verein zur Förderung des lauteren Wettbewerbs im Internet e.V.”, kurz VFWI e.V.. Abgemahnt scheint der Verein allerdings noch keine Verkäufer zu haben:
“Unsere schriftlichen Hinweise auf wettbewerbsrechtlich mangelhafte Internetauftritte sind keine (kostenpflichtigen) Abmahnungen im Sinne des UWG, sondern eben einfach nur höfliche Hinweise , mit der Bitte, Abhilfe zu schaffen”,
heißt es auf der Vereins-Webseite. Axel Gronen hat eine recht eindeutige Meinung über diese Vorgänge:
“Offenbar geht es hier “nur” um eine in meinen Augen ziemlich unseriöse Art der Mitgliederwerbung. Ich rate davon ab, dort Mitglied zu werden: Solche Machenschaften sollte man nicht auch noch belohnen. Und es ist auch fraglich, ob es irgendeinen Gegenwert für die Mitgliedsbeiträge gibt: Die bisherigen Äußerungen deuten darauf hin, dass dieser Verein nicht wirklich Ahnung vom Wettbewerbsrecht hat.”
Ich bin gespannt, ob bald ein “bislang” vor das “nur” zu setzen ist.
Neu: Rückwärtsauktionen auf eBay – per Softwaretool
Online-Auktionator eBay bietet seinen Nutzern ausschließlich Auktionsformate mit steigenden Preisen an: während der Laufzeit der Auktionen überbieten die Interessenten sich gegenseitig, und erfolgreich ist am Ende derjenige, der mit Ablauf der Laufzeit das höchste Gebot abgegeben hat. Rückwärtsauktionen, bei denen ein hoher Startpreis in regelmäßigen Schritten immer weiter fällt und derjenige den “Zuschlag” erhält, der als Erster ein Gebot platziert, gibt es bei eBay nicht.
Bislang. Und zwar führt eBay selbst die Rückwärtsauktion auch weiterhin nicht ein. Aber: Mit Hilfe eines neuen Tools von FixMod.de können die Verkäufer nun Festpreis-Angebote auf eBay in Rückwärtsauktionen verwandeln. Hierfür legen sie mittels des Tools fest, wann und wie stark der Preis ihres Angebots jeweils gesenkt werden soll. Das Tool kümmert sich dann automatisch um die regelmäßige Anpassung des aktuellen Preises – wodurch das Festpreisangebot letztlich zur Rückwärtsauktion wird.
Ich bin gespannt, auf welche Resonanz dieses Tool stoßen wird – sowohl bei den Usern, als auch bei eBay. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Auktionen ist meiner Meinung nach, dass die Regeln, nach denen sie stattfinden, möglichst schnell und einfach zu verstehen sind. Käufer, die die Festpreisangebote auf eBay durchstöbern, dürften kaum damit rechnen, hier auf Rückwärtsauktionen zu stoßen – zumal eBay sie ja gerade selbst nicht anbietet. Ein nicht unbedingt von jederman leicht zu verstehendes Auktionsformat muss hier also in einem schwierigen Umfeld möglichst direkt kommuniziert werden, um überhaupt erkannt zu werden.
Und was eBay anbelangt: der Online-Auktionator hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er nicht unbedingt ein “laissez faire” lebt, was die Gestaltung der Angebote auf seiner Plattform anbelangt. Es bleibt abzuwarten, ob er die Einführung von Rückwärtsauktionen auf seiner eigenen Plattform hinnehmen wird – oder versuchen wird, diese beispielsweise durch eine Änderung seiner AGB oder Policies auszuhebeln.
