Archive for the ‘Blogs im Allgemeinen’ category
Die 33 meistabonnierten deutschen Lawblog-Feeds im Februar 2008
Seit einiger Zeit ermöglicht es der Google Feedreader herauszufinden, wie viele Nutzer den RSS-Feed eines Blogs abonniert haben (zum Hintergrund des Ganzen mehr beim Popkulturjunkie; und wenn Sie sich fragen, was RSS-Feeds und der Google Feedreader überhaupt sind – eine kurze Erklärung gibt es beispielweise hier).
Was liegt da näher als einen Blick darauf zu werfen, wer in der “Blawgosphäre” wie häufig gelesen wird. Vor etwa drei Monaten habe ich zum ersten Mal einen Überblick über die “meistabonnierten deutschen Lawblogs” erstellt – und damit ist es jetzt einmal Zeit für eine aktualisierte Übersicht. Lässt man den Google Feedreader ein wenig rechnen, dann ergibt sich derzeit folgendes Bild (vorhergehende Platzierung bzw. alte Abozahl – soweit vorhanden – jeweils in Klammern, zu den Grenzen der Aussagekraft dieser Zahlen unten mehr):
Die Übersicht
01 (01) RA Udo Vetter (lawblog.de) 2.181 (1.271)
02 (02) Law-Blog (law-blog.de) 155 (132)
03 (04) RA Dr. Carsten Ulbricht (rechtzweinull.de) 108 (63)
04 (NE) Archivalia (Archivrecht) 87
05 (03) Der “Großbuden-Nerd” 80 (72)
06 (06) Jurabilis 75 (58)
07 (07) “Ich klach mich tot…” 74 (49)
08 (09) RA Thomas Klotz (ra-blog.de) 64 (40)
09 (11) RA Sascha Kremer (Vertretbar Weblawg) 56 (31)
10 (10) RA Henning Krieg, LL.M. (kriegs-recht.de) 51 (34)
11 (12) Kanzlei Keller-Stoltenhoff u.a. (it-recht-kanzlei.de) 46 (28)
12 (13) RA Carsten R. Hoenig 44 (17)
13 (NE) Beck-Blog (Metablog des Beck-Verlags) 39
14 (NE) RA Michael H. Heng (advobLAWg) 33
15 (NE) Knastblog (Udo Vetter) 27
16 (NE) verbraucherrechtliches 26
17 (19) RA Thomas Schwenke (advisign.de) 25 (13)
18 (NE) RA Michael W. Felser (Juracity) 24
19 (16) RA Jürgen Melchior 23 (15)
20 (17) LAWgical 21 (14)
20 (24) Telemedicus 21 (10)
22 (NE) Kanzlei Kremer 20
23 (14) Kanzlei SEWOMA 17 (16)
23 (21) RA Christian Säfgen (Obiter Dictum) 17 (12)
23 (NE) RA’in Carola Sieling (IT-Blawg) 17
26 (18) LBR-Blog 15 (14)
26 (22) Maas Rechtsanwälte 15 (11)
26 (23) Markenblog 15 (11)
26 (25) RA Alexander Schultz (palawa.de) 15 (9)
30 (26) RA Stephan Hansen-Oest (say-ho) 13 (9)
31 (NE) JurBlog 12
32 (15) Prof. Dr. Ulrich Noack (Unternehmensrechtliche Notizen) 10 (16)
32 (NE) ElbeLaw.de (Hamburger Jurastudierende) 10
Nur begrenzte Aussagekraft…
Wie eingangs bereits angedeutet sind diese Zahlen allerdings nur von begrenzter Aussagekraft. Denn beispielsweise lässt sich über den Google Feedreader nur ermitteln, wie häufig ein Feed über Google-Dienste abonniert ist – Dienste anderer Anbieter bleiben bei der Zählung außen vor. Die tatsächlichen Zahlen dürften daher um den Faktor 4 bis 10 höher sein (vgl. bspw. “meine” Abozahl mit der rechts in der Navigationsleiste eingeblendeten, über Feedburner ermittelten Zahl).
Hinzu kommt, dass die Zahl der Abonnements eines Feeds nicht mit der Zahl der täglichen Leser eines Feeds gleichgesetzt werden kann. Beispielsweise die gleichbleibend hohen Zahlen des Großbuden-Nerds, der seit Monaten so gut wie gar nicht mehr schreibt, illustrieren dies anschaulich: auch wenn kein neuer Beitrag veröffentlicht wurde (und somit gelesen werden kann) ruft ein Feedreader einen RSS-Feed regelmäßig weiter auf – eben um zu prüfen, ob inzwischen ein neuer Beitrag online gestellt worden ist. Hinzu kommt, dass neue Beiträge von Feed-Abonnenten nicht zwingend gelesen werden, gezählt wird hier also nur das Abonnement an sich.
Ohnehin sind “Ranglisten” (zumindest dieser Art) nur selten von umfassender Aussagekraft, gibt es doch zum einen noch weitere “objektive Relevanzmerkmale” (wie zum Beispiel das Ausmaß des über die Seite laufenden Traffics) – und zum anderen auch subjektive Erfolgskriterien, die sich mit derartigen Listen schon gar nicht erfassen lassen.
…aber dennoch:
Trotz alledem sind die Ergebnisse – meiner Meinung nach – nicht ganz uninteressant:
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- Im Vergleich zum Oktober sind die Abozahlen der Lawblogs fast durch die Bank (jeweils verhältnismäßig) kräftig gestiegen. Spannend ist die Frage ob dies daran liegt, dass das Interesse an (Law)Blogs allgemein zunimmt – möglich wäre aber auch, dass mit zunehmender Zeit immer mehr “ungekündigte” (und ungelesene) Abos mit in die Zählung des Google Feedreaders rutschen.
- Nicht sonderlich überraschend steht Udo Vetter mit seinem Lawblog unverändert an der Spitze – der Long Tail fängt noch immer gleich hinter ihm an. Udo Vetter allein kommt dabei auf mehr Feedabonnenten als alle anderen 32 Blawgs zusammen.
- Zu Prof. Dr. Ulrich Noacks “Unternehmensrechtlichen Notizen” ist mit dem Beck-Blog de facto ein weiteres juristisches “Professorenblog” hinzugekommen: im Autorenteam dieses Metablogs sind gleich zwei Professoren mit an Bord. Das Beck-Blog ist in meinen Augen dabei eines der derzeit spannendsten Projekte in der “Blogosphäre”, vielleicht nicht nur wegen der Beiträge an sich, sondern viel mehr wegen des Hintergrunds des Projekts – was sich meines Erachtens schon jetzt auch in den Abonnentenzahlen wiederspiegelt.
- Immer noch sind es trotz einer gefühlten vergleichsweise “großen Dichte” an Lawblogs am Ende dann doch gar nicht so viele, die im deutschsprachigen Raum konstant betrieben werden – was immer noch die Frage aufwirft, ob nicht noch Raum für weitere, insbesondere weitere noch themenbezogene Lawblogs ist. Ich meine – auch das immer noch: ja.
Ich bin gespannt, wie die Liste nach den nächsten drei Monaten aussehen wird.
(Nachtrag: in diesem Zusammenhang auch interessant ist der Beitrag “Der wissenschaftliche Nutzen von Jurablogs” auf Telemedicus)
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Anmerkung
In der Liste sind deutsche “Blawgs” aufgeführt, für die der Google Feedreader durchschnittlich mindestens 10 Aufrufe ermittelt. Sollte (ein) Blawg(s) fehlen, dann bitte ich um einen kurzen Hinweis, gerne in den Kommentaren oder per Mail.
Qualitätsdiskussion des DJV: One for the show
Als der Deutschen Journalisten-Verband eine Podiumsdiskussion zum Thema “Anarchie oder Regeln? Journalismus im WWW” für den vergangenen Donnerstag ankündigte wußte ich nicht genau, was ich von der Veranstaltung erwarten sollte. Nach der Diskussion bin ich mir nicht unbedingt schlüssiger darüber, was ich nun von ihr halten soll.

Wohl als Reaktion auf den Protest, den der DJV-Vorsitzende Michael Konken mit seinen, sagen wir, kritischen Äußerungen über Blogs hervorgerufen hatte lud der DJV zur Diskussion – Journalisten, Blogger und einen Medienwissenschaftler, insgesamt sieben an der Zahl, und damit schon rein quantitativ eine schlechte Besetzung für eine gute Diskussion.

Dass nichts Gutes bei der Diskussion herausgekommen ist liegt aber nicht nur an dieser (Über-) Besetzung. Von vornherein scheint der DJV ebensowenig wie ich gewusst zu haben, wo er mit der Diskussion denn überhaupt hinwollte. So hieß es in der Presseerklärung zur Veranstaltung: “Zwei aktuelle Gerichtsurteile zeigen aus Sicht des Deutschen Journalisten-Verbandes, dass der Online-Journalismus vor neuen qualitativen Herausforderungen steht.”

Diese zwei Urteile waren dann allerdings ausgerechnet die Perlentaucher-Entscheidung des OLG Frankfurt sowie das Hamburger Urteil gegen Stefan Niggemeier, in dem dieser für auf seinem Blog abgegebene Kommentare verantwortlich gehalten wird. Beide Verfahren haben meiner Meinung nach wenig (Niggemeier) bis gar nichts (Perlentaucher) mit dem Thema der Qualitätsstandards im Onlinejournalismus zu tun.

Bezeichnenderweise wurde das Perlentaucher-Urteil dann auch weder an-, geschweige denn besprochen. Über Leserkommentare auf Blogs, in Foren und auf Medienseiten läßt sich – und ließ sich dann auch – zwar trefflich diskutieren. Aber hier diskutiert man (insbesondere im Licht der Hamburger Entscheidung) doch eher nicht über den Kern der vom DJV aufgeworfenen Frage: was sind die Standards für guten Journalismus im Internet.

Alexander Fritsch (Reuters, Moderation)
Dabei bietet sich gerade – und gerade jetzt – die Frage nach dem Rechtsrahmen als Ausgangspunkt für die Diskussion über die ethischen und qualitativen Standards in den Onlinemedien an. Denn mit den §§ 54 ff. des Rundfunkstaatsvertrags existieren telemedienrechtliche Vorschriften, deren Reichweite bislang kaum geklärt ist. Es würde mich nicht überraschen, wenn 2008 zum ersten Mal das Recht auf eine Gegendarstellung in einem Blog durchgesetzt würde.

Was die Podiumsdiskussion des DJV angeht – nach ihr bin ich immerhin über eines besser im Bilde: ich muss mich noch etwas vertrauter mit der Weißabgleichfunktion meiner Kamera machen (siehe oben). Das ist doch auch schon mal eine Erkenntnis.
(Die Diskussion wurde vom DJV aufgezeichnet und kann hier im Video nachverfolgt werden. Wer sich einen Überlick über die anschließende Diskussion im Netz verschaffen möchte, der findet bei onlinejournalismus.de eine umfassende Übersicht.)
Beck-Verlag beginnt zu bloggen
Der Verlag C.H. Beck, einer der renommiertesten deutschen juristischen Fachverlage, baut ein eigenes juristisches Meta-Blog auf. Unter www.blog.beck.de haben bisher vier Fachautoren begonnen, zu Themen des Multimediarechts und des Strafrechts zu schreiben. Für die Sparte Informationsrecht zeichnet Prof. Dr. Hoeren verantwortlich, auch unter interessierten Nichtjuristen wegen seines kostenlosen Skripts zum Internetrecht weit bekannt.
Das Beck-Blog befindet sich derzeit noch in der Beta-Phase, und tatsächlich ist an einigen Ecken und Kanten noch zu feilen (so zerreisst es beispielsweise das Layout bei der Darstellung im Firefox-Browser momentan noch etwas). Diese erste Diskussion im Blog lässt darauf schließen, dass der offizielle Start für den Januar vorgesehen ist.
“Beck bloggt – Das traditionelle Verlagshaus C. H. Beck beschreitet neue Wege im Web 2.0” schreibt der Verlag selbst über sein Vorhaben. Ich bin gespannt, wie sich das Beck-Blog entwickeln wird – ob beispielsweise mehr als nur eine Zweitverwertung bereits andernorts veröffentlichter Beiträge oder Meldungen stattfinden wird, sich Diskussionen entwickeln und welche Autoren noch zum Team hinzustossen werden.
“Hat die Polizei eine Blogging-Policy?”
Guido Karl, einer der wenigen bloggenden Polizisten in Deutschland, stand gestern im Chat bei Politik-Digital Rede und Antwort. Wie kommt man als Polizist eigentlich zum Bloggen? Hat die Polizei eine Blogging-Policy? Wie reagieren die Kollegen auf den Blog? Antworten (nicht nur) auf diese Fragen gibt es im Transskript des Chats – lesenswert (klick hier).
Dabei lässt Guido durchblicken, dass in Sachen “Polizei und Web 2.0″ offenbar einiges vor der Tür steht:
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Frage: Würden sich (…) Communities auch auf Polizeiwebsites anbieten? Oder ein „offizielles“ Polizeiweblog, das den Bürgern einen offenen Einblick in den Polizeieinblick bietet, direkt zugänglich von der Polizeiwebsite – was halten Sie davon?
Guido Karl: Was meinen Sie, was wir alles planen… Aktuell wird das Intranet der Polizei NRW neu aufgesetzt, da wird es das alles geben. Im Internet denken wir auch stark über solche Dinge nach.
Das alles dürfte ein Klacks für die Ordnungshüter sein – war es doch schließlich niemand anderes als die deutsche Polizei, die das Web 2.0 erfunden hat (siehe das nachfolgende Video).
Link: sevenload.com
Zum Blog von Guido Karl geht es übrigens hier.
Die FAZ und die Firmenblogs
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat sich in einem Grundsatzbeitrag damit auseinandergesetzt, warum Corporate Blogs in Deutschland bislang nicht der Durchbruch gelungen ist. Ihr Ergebnis: die fehlende Unabhängigkeit der Firmenblogger von ihren Vorgesetzten, überzogene Erfolgserwartungen und illoyale Kollegen sind die wesentlichen Stolpersteine (zum Beitrag geht es hier).
