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Die #rp15, der Feldmann und ich: Saisonrückblick Social Media Recht auf der re-publica 2015

Wie jedes Jahr war es Thorsten Feldmann und mir ein Fest: Auf der re-publica einen “Saisonrückblick Social Media Recht” anzubieten und aufzuzeigen, was sich in den letzten zwölf Monaten im Social Media Recht getan hat. Naturgemäß spielten Urheber- und Fotorecht eine große Rolle, aber dabei blieb es natürlich nicht: So haben wir uns zum Beispiel auch Instagram und WhatsApp genauer angesehen, und das Thema Schleichwerbung spielte ebenfalls eine wichtige Rolle. Auch dieses Jahr hatten wir wieder ein phantastisches Publikum, das mit Zwischen- und Nachfragen nicht gegeizt hat – herzlichen Dank noch einmal dafür!

Und da wir mehrfach darauf angesprochen wurden, veröffentliche ich unsere Vortragsfolien gerne auch hier im Blog:



Bei Voice Republic hat man unsere Session mitgeschnitten und noch am Veranstaltungsabend als PodCast bereitgestellt. Anhören kann man sich das Ergebnis dank des einbettbaren Players von Voice Republic gleich hier im Blog:



Dabei war unsere eigene Session nicht das Einzige, das wir bei der re-publica 2015 an den Start gebracht haben. Zum ersten Mal haben Thorsten und ich für die re-publica auch ein “Law Lab” mit acht Sessions zum Recht des Publizierens im Internet organisiert und kuratiert. Der Saal war durchgängig voll, und die Teilnehmer_innen waren engagiert dabei – ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle noch einmal an alle Referent_innen und an das Publikum. SPIEGEL Online hat das Law Lab aufgegriffen und darüber berichtet – zu lesen unter dem netten Titel “Internet-Rechtstipps: So meckern Sie legal“.

Und schließlich: Ohne dass Thorsten und ich vorher Bescheid wussten, hat Adobe die “Sketchnoterin” annalena zu uns geschickt, um unsere Session auch grafisch festzuhalten. Eine nette Überraschung – herausgekommen ist dieses kleine Kunstwerk, das ich hier veröffentlichen darf (hat tip an annalena und Adobe):

sketchnotes re-publica

re-publica 2015: Das “Law Lab” geht an den Start

16. April 2015Allgemeinby Henning Krieg
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Der geschätzte Kollege Thorsten Feldmann und ich gehen auf der re-publica 2015 mit unserem “Saisonrückblick Social Media Recht” ins verflixte siebte Jahr: Seit 2009 stehen wir dort regelmäßig gemeinsam auf der Bühne und geben einen Überblick darüber, was sich im Social Media Recht in den jeweils vergangenen zwölf Monaten getan hat. Jedes Mal ist es uns aufs Neue eine große Freude – so auch dieses Jahr.

Und in diesem Jahr kommt wieder etwas Neues hinzu: Auf der re-publica 2015 wird es erstmals ein von Thorsten und mir konzipiertes und kuratiertes „Law Lab“ geben. Das Law Lab vereint acht Sessions und Workshops, in denen erfahrene Juristinnen und Juristen eine Einführung in die wichtigsten rechtlichen Aspekte geben, die beim Publizieren im Netz zu beachten sind. Anders als bei unserem “Saisonrückblick Social Media” geht es also um eine grundlegende Einführung ins Thema – auch, aber nicht nur für Menschen, die sich bislang eventuell noch nicht sonderlich mit dem Rechtsrahmen für Social Media Aktivitäten befasst haben. Das Law Lab ist bewusst modular aufgebaut, so dass sich jede und jeder gezielt Sessions zu den Themen herauspicken kann, die sie oder er kennenlernen oder vertiefen möchte.


re:publica 15 - FINDING EUROPE

Im Law Lab erklärt Adrian Schneider den Evergreen Impressumspflicht und andere Kennzeichnungspflichten. Das Urheberrecht greift das Law Lab gleich in zwei Sessions auf: Ramak Molawi gibt einen grundsätzlichen Einblick in die Materie, und Miriam Ballhausen erklärt, wann man fremde Inhalte, die rechtliche geschützt sind, trotzdem benutzen darf. Carola Sieling vertieft das Ganze mit besonderem Blick auf das Fotorecht – und bei ihr kommt dann auch die Einführung ins „Recht am eigenen Bild“: Wer (und was) darf eigentlich überhaupt fotografiert werden?

Im fünften Workshop erklärt Ansgar Koreng die Grundzüge des Presserechts. Und kein Law Lab ohne das Thema Datenschutz: Jana Moser klärt darüber auf, welche datenschutzrechtlichen Aspekte Webseitenbetreiber beachten müssen. Jörg Heidrich bereichert das Law Lab mit einer Session zum Äußerungsrecht (Stichwort unter anderem „Beleidigungen“), und Thomas Schwenke zeigt schließlich die Grenze zwischen erlaubter Werbung und unerlaubter Schleichwerbung auf.

Weitergehende Informationen zu den einzelnen Sessions sind hier zu finden.

Drei Anwälte und ein Richter

30. März 2015Allgemeinby Henning Krieg
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Ich hatte bereits einmal das Vergnügen, vom sehr geschätzten Kollegen Thomas Schwenke und dem ebenfalls sehr geschätzten Audio-Guru Marcus Richter zum PodCasten eingeladen zu werden. Unser Thema damals: “Disclaimer und andere Urban Law Legends“.

Offenbar ging das damals nicht komplett daneben, so dass die Herren nun erneut zum Gespräch einluden – und den bloggenden Strafrechtler Carsten Hoenig gleich mit. Unser Thema diesmal: Anwälte plaudern aus dem Nähkästchen. Warum ist Juristendeutsch quasi eine Fremdsprache? Was sind das für Menschen, die Internetnutzer abmahnen? Verdienen Rechtsanwälte viel Geld (oder doch so wenig, dass sie ständig abmahnen müssen)? Und wie halten sie es mit der Moral? Sprich: Die Kollegen Schwenke und Hoenig sowie meine Wenigkeit gaben Marcus Richter (und den Hörern) einen Einblick in die Welt der Juristen. Zum Ergebnis – bitte hier entlang.

PodCast_Schwenke_Hoenig_Krieg

Fun Fact: Dabei ist das noch allemal nicht aller Unfung, den die Herren Schwenke, Hoenig und ich getrieben haben. 2014 sind wir gemeinsam Fallschirmspringen gewesen und haben uns aus 3.500 Metern Höhe gestürzt – aber bei der Gelegenheit blieben die Mikrophone dann doch zu hause.

Dickes B – Berliner Blawger beim betterplace Bloggerchor

20. Dezember 2012Allgemeinby Henning Krieg
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Mit sechs Berliner “Blawgern” – also Menschen, die zu juristischen Themen ins Internet schreiben – haben wir uns zusammengetan, um auf betterplace ein Vorhaben von Discover Football zu unterstützen und ein wenig für Spenden zu trommeln. Es ist ein gutes Vorhaben, das wir da unterstützen wollen, ich kenne die Macherinnen und Macher persönlich – und würde mich sehr über weitere Unterstützung freuen.

Discover Football ist ein gemeinnütziges Berliner Frauenfußballprojekt. Seine Wurzeln liegen in einer spannenden Geschichte, die 2007 zum ersten internationalen Spiel der iranischen Frauenfußballnationalmannschaft geführt hat (mehr darüber unter www.football-under-cover.de). Seitdem engagieren sich die Frauen (und Männer) von Discover nicht nur um Frauenfußball im Allgemeinen, sondern besonders auch um Frauenrechte, Empowerment und Integration – sowohl in Berlin, als auch international. Das Ganze hat eine klare gesellschaftliche Komponente.

2013 stellt Discover wie schon 2011 in Berlin ein internationales Fußball-Turnier auf die Beine, das von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet wird. Gezielt werden Spielerinnen aus ärmeren Ländern eingeladen und unterstützt, vor allem Spielerinnen aus Nordafrika und Nahost. Das Turnier findet 2013 vor dem Hintergrund des Arabischen Frühlings statt. Im Rahmen der breiten öffentlichen Proteste waren dort viele Frauen in arabischen Ländern auf die Straße gegangen, um auch auf ihre Rechte aufmerksam zu machen und ihre Rechte einzufordern.

Und die Unterstützung des Frauenfußballs in diesen Ländern hilft ihnen dabei. Denn wenig beachtet von der Öffentlichkeit sind während der letzten beiden Jahrzehnte in fast allen arabischen Ländern erste Vereinsstrukturen im Frauenfußball aufgebaut worden. Diese Strukturen können Frauen helfen, für ihre Rechte einzutreten, ihre Rechte zu fordern – und zu erhalten. In den Kämpfen von Frauen für ihr Recht, Fußball zu spielen, spiegeln sich gesellschaftliche Auseinandersetzungen um Geschlechterbilder und Frauenrechte wider. In Berlin werden die Teilnehmerinnen nicht nur am Turnier teilnehmen, sondern gerade auch an einer Vielzahl von Workshops, die ihnen dabei helfen sollen, ihre Aktionen und Anliegen besser umsetzen zu können.

Discover Football sammelt Spenden für diese Aktion über betterplace – übrigens eine großartige Plattform für Crowdfunding. Die Aktionsseite von uns sechs Berliner Blawgern für Dicsover Football ist hier zu erreichen. Spenden kann man sehr einfach und komfortabel – per Kreditkarte, Bankeinzug oder Paypal. Wer sich entscheidet, das Projekt ebenfalls zu unterstützen, dem bzw. der sei hier schon einmal herzlich gedankt. Wie schon geschrieben: Ich kenne die Macherinnen und Macher dahinter persönlich und bin von ihrer Arbeit überzeugt.

Übrigens: Im November/Dezember hatte Discover Football in Vorbereitung des Turniers bereits ein Expertinnenforum mit Frauen aus Saudi Arabien, den palästinensischen Gebieten, Tunesien, Jordanien, Libanon und dem Irak in Berln veranstaltet. Die Frauen haben eine Woche lang Erfahrungen geteilt, Workshops besucht und Strategien für die Zukunft entwickelt – und hier im Video kann man einen kurzen Eindruck davon gewinnen:



Diese Aktion im Rahmen des betterplace Bloggerchors ist eine Aktion der Berliner Blawger (in alphabetischer Reihenfolge) Carsten R. Hoenig (sein Blogposting zur Aktion hier), Christoph Endell, Ramak Molavi (ihr Blogposting zur Aktion hier), Sebastian Dramburg (sein Blogposting zur Aktion hier), Thomas Schwenke (sein Blogposting zur Aktion hier) und meiner Wenigkeit.

Taliban, Diebe und das Leistungsschutzrecht – Christoph Keese und Kay Oberbeck im Streitgespräch

6. Dezember 2012Allgemeinby Henning Krieg
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Die Diskussion um das umstrittene Leistungsschutzrecht hat einen neuen (aber sicher nicht letzten) Höhepunkt erreicht: “Google ist eine Art Talibanüberschreibt das Branchenblatt “Horizont” ein Interview mit Christoph Keese vom Axel Springer Verlag, “Verteidige Dein Netz” hält Google mit einer Kampagne dagegen und ruft die Bürger aka Internetnutzer zum Protest gegen das Leistungsschutzrecht auf. Mit immer stärkeren Worten und größeren Aktionen beharken sich dessen Befürworter und Gegner gegenseitig.

Der jüngste Showdown: Ein Streitgespräch zwischen Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs der Axel Springer AG und Befürworter des geplanten Leistungsschutzrechts, und Kay Oberbeck, Kommunikationschef von Google in Deutschland und als solcher naturgemäß kein Freund des Gesetzesvorhabens. Moderiert von Cherno Jobatey diskutierten Keese und Oberbeck am 6. Dezember eine knappe Stunde lang im Berliner BASE_camp im Rahmen der Veranstaltungsreihe UdlDigital über das Leistungsschutzrecht – Sachar Kriwoj und Karolin Quandt von E-Plus hatten Keese und Oberbeck an einen Tisch gebracht.

Ich habe das Streitgespräch nach Rücksprache mit Sachar Kriwoj mitgeschnitten – et voilà, hier ist es zu hören:

Punchline: In der Sache ist man sich sicher nicht näher gekommen, aber immerhin hat man beiderseitig versichert, dass man an einer Versachlichung der Diskussion interessiert sei. Ob dies wirklich geschehen wird bleibt abzuwarten – aber gut tun würde es der Sache sicherlich.

Keese und Oberbeck sind die wohl jeweils profiliertesten “Für- und Gegensprecher” des Leistungsschutzrechtes. Längst ist die Diskussion mit dem Vorliegen des dritten Gesetzesentwurfs aber an einem Punkt angekommen, an dem auch die öffentliche Diskussion nicht mehr nur durch die “Aushängeschilder” beider Seiten geführt werden sollten. Ich schätze beide, Keese und Oberbeck, als auf ihren Feldern überaus kompetente Persönlichkeiten. Und Ihr direktes Aufeinandertreffen und die unmittelbare, persönliche Diskussion ist ein überaus reizvolles Format. Es drängt sich aber der Eindruck auf, dass eine leicht modifizierte Form dieser Art von “Showdown-Diskussion” sowohl zielführender, als auch ergiebiger sein könnte: Unter Einbeziehung sowohl von Juristen als auch Technikern beider Seiten, in einem zeitlich ausgedehnteren Rahmen (bspw. drei direkt aneinander anschließender einstündiger “Runden”) und in noch stringenter, forschender geführter Moderation.

Meinungsführer. Meinungsführer?

Die Redaktion des Magazins “pressesprecher” hat in ihrer aktuellen Ausgabe eine Kurzstudie darüber veröffentlicht, welche deutschen Medienrechts-Blogs bzw. Blogger als “Meinungsführer” anzusehen seien. Das Ergebnis der Untersuchung: kriegs-recht.de wird als führend eingestuft, gefolgt von spreerecht.de, wbs-law.de und telemedicus.info. Die Kurzstudie steht zum kostenlosen Download als PDF zur Verfügung.

Natürlich habe ich mich über diese weitere positive Einschätzung meines Blogs gefreut. Allerdings sehe ich die Kurzstudie durchaus nicht unkritisch. Per E-Mail habe ich das Ganze mit einer Berufskollegin kurz diskutiert – und was liegt da näher, als die in diesen E-Mails niedergeschriebenen Gedanken auch hier noch einmal aufzugreifen.

Meinungen und Führung

Unabhängig von jedem kommunikationstheoretischem Hintergrund habe ich in diesem Kontext vor allem aus folgenden Gründen ein wenig Bauchschmerzen mit dem Begriff “Meinungsführer”:

“Führung” bedeutet ja schlicht nichts anderes, als dass jemand bestimmt, “wo es lang geht”. Eine mit einer “Anordungsnungskompetenz” verbundene formelle Hierarchie kann es im Bereich von Meinungen allerdings nicht geben. Kernfrage ist also, ob jemand sich in einer Position befindet, aufgrund der seine (oder ihre) Meinungen übernommen werden.

Maßgebliche Faktoren

Die Untersuchung im Pressesprecher überzeugt mich in dieser Hinsicht nicht. Meiner Ansicht nach wurden bei ihr ganz wesentliche Aspekte außer acht gelassen – unter anderem Aspekte, die ohnehin nur schwer oder gar nicht zu messen wären:

  • In der Studie wurde meinem Eindruck nach nach auch von “Reichweite” auf “Meinungsführerschaft” geschlossen, beispielsweise indem die Anzahl der Twitter-Follower und der Facebook-Likes mit einbezogen wurde. “Reichweite” und “Meinungsführerschaft” gehen aber nicht zwingend miteinander einher. Gelegentlich kann eine große Reichweite ein Indikator dafür sein, dass Leser bereit sind, Meinungen aufzugreifen oder sogar anzunehmen – mehr aber nicht.
  • Bei der Messung – jeder Messung – von entsprechenden Faktoren kommen sodann (i) Auswahl der Faktoren und (ii) Messungenauigkeiten ins Spiel. Die Anzahl von Twitter-Followern wurde beispielsweise gemessen, die Anzahl von Kontakten auf Google+ beispielsweise aber nicht. Wie immer, wie bei jeder Erhebung: Schon die eingängliche Auswahl der Messkriterien bestimmt wesentlich das anschließende (wertende) Ergebnis.
  • Die “Qualität” der Kontakte wurde nicht gemessen. Diese dürfte auch kaum messbar sein. Allerdings besteht durchaus ein Unterschied darin, ob 5.000 Youtube-Fans einem Twitter-Account folgen, oder 50 Fachjournalisten.
  • Und, schließlich ganz wesentlich: Werden auf den untersuchten Blogs überhaupt Meinungen geäußert? Diese Frage scheint mir vollkommen unter den Tisch gefallen. “Meinung” und “Information” teilen ja höchstens eine Schnittmenge hinsichtlich ihres Bedeutungsgehalts, entsprechend sich aber doch grundsätzlich nicht.

Die Relevanzdebatte

Meiner Ansicht kann es eine “Meinungsführerschaft” durchaus in jedweder Hinsicht geben. Es kann durchaus sein, dass sich jemand in einer Position befindet, aufgrund der seinen bzw. ihren Meinungen gefolgt wird. Nur messbar ist diese Form der Meinungsführerschaft wohl nur schwer, und mit der hier vorliegenden Untersuchung meiner bescheidenen Meinung nach eher gar nicht.

“Influencer”, “Multiplikator” oder “Reichweite”, vielleicht auch “Kommunikationsstärke” wären meiner Ansicht daher bessere, weil genauere Aufhänger für die Präsentation der Ergebnisse dieser Kurzstudie gewesen. Wenn man ganz vermessen wäre, dann vielleicht noch “Relevanz”.

Aber vielleicht schauen wir als Juristen da auch genauer auf den Wortsinn als Nichturisten?