Beck-Verlag startet Beck-Community, Juratweet.de aggregiert “Legal Tweets”

Bisher sah es mit “Zwo-nulligen” Internetdiensten speziell für den deutschen Rechtsmarkt noch recht mau aus - während man in den USA, wie könnte es anders sein, schon längst weiter ist. Der Verlag C.H. Beck hatte hierzulande mit seinem Beck-Blog zwar immerhin ein erstes Leuchtturm-Projekt realisiert. Daneben gab es aber nicht sonderlich viel mehr Bemerkenswertes: Das Jurawiki beispielsweise scheint eher vor sich hin zu dümpeln, und die vieldiskutierte Idee eines Social Networks speziell für Juristen wurde bislang noch nicht umgesetzt.

Bislang.

“Legal Tweet” Aggregator: Juratweets.de

Nun sind fast parallel gleich zwei neue Dienste an den Start gegangen, die es so bisher in Deutschland noch nicht gegeben hat. Der eine ist Juratweet.de. Ideengeber war hier offenbar der (genau, amerikanische) Dienst Lextweet. Wie das US-Vorbild aggregiert Juratweet.de die Tweets tritternder Rechtsanwälte, und da die Rangliste nicht fehlen darf, werden auch gleich die “Top Mitglieder” der Community nach Anzahl ihrer “Follower” sortiert präsentiert.

Was mir ein wenig übel aufstieß. Nicht unbedingt, dass eine solche “Rangliste” geführt wird, sondern dass ich mich dort selbst als “Top Mitglied” der “Community” wiedergefunden habe - ich habe mich bei Juratweet.de nie angemeldet.

Der Betreiber von Juratweets.de, die QNC GmbH, hat Twitter offenbar nach twitternden Rechtsanwälten durchforstet und dann deren Profile selbst im eigenen Dienst eingetragen - ich bin nicht der einzige, der über seine “Mitgliedschaft” etwas überrascht war. An sich kein hochproblematischer Fall, und ich werde mein Profil dort fürs Erste auch nicht austragen. Eine vorherige Kontaktaufnahme - per “Direct Message” auf Twitter auch unproblematisch möglich - hätte jedoch vielleicht eher der Etikette entsprochen.

Social Network für Juristen: die Beck-Community

Während Juratweets.de wohl noch als Spielerei angesehen werden kann, handelt es sich beim zweiten neuen Dienst dann um einen echten Hingucker: Nach dem Beck-Blog hat der Verlag C.H. Beck mit der “Beck-Community” nun offiziell auch ein Social Network speziell für Juristen an den Start gebracht. Chapeau.

Da der Beck-Verlag nicht nur der wohl bedeutendste juristische Fachverlag in Deutschland ist, sondern mit seinem Multi-Autoren-Blog auch bereits einige “Web 2.0 Credibility” erlangt hat, kann man sich schlechtere Rahmenbedingungen für ein solches Projekt vorstellen. Ralf Zosel, Community Manager beim Beck-Verlag, erklärt das Projekt dabei so, dass es auch Menschen aus der 1.0-Generation verstehen:

Sie können sich mit Ihrem persönlichen Profil in der Öffentlichkeit präsentieren. Dabei bestimmen Sie selbst, was Sie von sich preisgeben möchten. Beispielsweise haben Sie die Möglichkeit, Ihre Publikationen anzugeben. Sie können in der beck-community Kontakte knüpfen und neue Kolleginnen und Kollegen kennenlernen. Sie finden Gruppen zu verschiedenen fachlichen Themen. Dort können Sie sich in Foren austauschen, die von Fachleuten in dem jeweiligen Gebiet moderiert werden. Ein Forum funktioniert ähnlich wie ein Blog. Während aber im Blog das jeweilige Thema von dem Blogger vorgegeben wird, können Sie in dem passenden Forum selbst neue Diskussionen zu Ihren Themen initiieren.

Das klingt zwar noch nicht unbedingt nach “Rocket Science”, insbesondere wenn man das Ganze einmal mit dem Konzept von LegalOnRamp vergleicht. Trotzdem ist das Projekt schon in dieser Ausbaustufe überaus bemerkenswert, gelten Juristen im Allgemeinen doch nicht unbedingt als die Speerspitze bei der Erprobung von Neuem.

Eigentlich dürfte es dabei aber gar nicht überraschen, dass das Web 2.0 nun Stück für Stück auch immer mehr in der Juristerei ankommt (oder die Juristerei im Web 2.0, je nachdem): Kommunikation, Vernetzung und Kollaboration (und vielleicht auch das Crowdsourcing, aber Hausarbeiten wollte ich hier eigentlich gar nicht ansprechen) - gerade auf das, was das Web 2.0 ermöglicht und erleichtert, kommt es im juristischen Alltag besonders an.

Eine wie es scheint gute Ausgangslage für die Beck-Community. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich das Projekt entwickelt.

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Leserkommentare zum Beitrag


  1. 1 Jens Ferner

    “wurde bislang noch nicht umgesetzt.”

    Das ist so nicht korrekt: Mit JurNW.de gab es einen ersten Versuch in DE.

  2. 2 UliGawlitza

    Mmmhh, aber noch nicht drin in der Community von Beck.

  3. 3 Henning Krieg

    Jens, in der Tat etwas unsauber von mir ausgedrückt, und ich habe ja selbst auch sogar auf lawyrs.net im Artikel hingewiesen. “Umgesetzt” im Sinne von “erfolgreich und nachhaltig an den Start gebracht”… Aber danke für den Hinweis.

  4. 4 Frank Hofmann

    Irgendwie kann ich mir keine gescheiten, jura-spezifischen Applikationen für twitter denken. Die Gedankengänge in dem Fach sind doch viel zu komplex für 140 Zeichen. Was soll denn da getwittert werden (außer vielleicht: “Prozess gewonnen”)…?

  5. 5 Ralf Zosel

    Vielen Dank für die freundliche Erwähnung. Einen Kommentar kann ich mir nicht verkneifen. Du schreibst: “Das JuraWiki scheint eher vor sich hin zu dümpeln …”. Ganz so dramatisch ist die Lage nicht. Das JuraWiki hat regelmäßig weit über 50.000 Besucher im Monat (laut Analytics). Freilich beteiligt sich lange nicht jeder Nutzer auch _aktiv_ und trägt als Autor zum Projekt bei, vgl dazu http://lawgical.jura.uni-sb.de.....b-2.0.html

  6. 6 Regina Kohn

    Interessanter Beitrag. Ich bin auch bei juratweet.de und mußte mich erst anmelden.

    Wie geht das überhaupt ohne sich anzumelden?

    Zur beck-community. Ist das nicht wie XING?

  1. 1 Link-Tipps der letzten Zeit | Leander Wattig

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