IKEA und die Hacker - der Pressesprecher im Kreuzverhör

Marcus Richter und Ole Stührmann vom Berliner Radio Fritz haben in der am Samstag ausgetrahlten Sendung “Trackback” ein ausführliches Interview mit IKEA-Pressesprecher Kai Hartmann zum Fall des Ikeahacker-Blogs geführt, das nach dem Willen von IKEA nicht mehr unter der Domain www.ikeahacker.de betrieben werden darf (zur Vorgeschichte siehe hier).

Kai Hartmann hat dabei sehr ausführlich erklärt, warum man zwar Fanblogs möge, mit dem Ikeahacker aber ein Problem gehabt habe. Und sich dabei in bemerkenswerter Weise auch so deutlich zur Glaubwürdigkeit von Blogs geäußert, dass man durchaus darüber spekulieren kann, ob bei IKEA nicht sogar sehr großes Wissen um die Befindlichkeiten der “Blogosphäre” vorhanden ist. Was, so ganz nebenbei, auch eine interessante Information in die Diskussion um die “Relevanz von Blogs in Deutschland” einbringen könnte.

Die damit insgesamt hochspannende Trackback-Sendung kann inzwischen auch als Podcast heruntergeladen werden. Da das “geschriebene Wort” im Netz allerdings immer noch leichter zugänglich ist als das gesprochene, habe ich das Interview nachfolgend einmal im Volltext festgehalten:

    Trackback
    Wir wollten jetzt erstmal genau wissen, was für ein Problem IKEA mit dem Problem jetzt wirklich hat, und haben deswegen noch einmal beim Pressesprecher von IKEA Kai Hartmann nachgefragt, warum die nicht wollen, dass es einen IKEA-Hacker gibt.

    IKEA
    Wir haben kein Problem damit, dass es Blogs gibt. Das Kernproblem bei diesem Blog war, dass es so aussah, als sei es eine IKEA-Website. Und das ist zu nahe da dran, an dem wie IKEA seine eigene Website betreibt, und er hat zudem noch Marken- und Urheberrechtsverletzungen begangen.

    Trackback
    In welcher Form?

    IKEA
    Also, er hat das IKEA-Logo verwendet und verändert, er hat offizielle IKEA-Bilder zu seinen eigenen Zwecken benutzt, der ganze Eindruck, den die Website gegeben hat war, als wären sie auf einer IKEA-Website. Das ist problematisch, weil es bei diesen Produkten, die gezeigt wurden, Veränderungen gab, die unter Umständen die Sicherheit gefährden.

    Trackback
    Warum wäre das problematisch?

    IKEA
    Also, diese Produkte sind designed worden von IKEA Designern für einen bestimmten Zweck. Also, zum Beispiel, ein Kindersessel, wo sich ein Kind drin verstecken kann: wenn Räder da unten drunter geschraubt werden, dann ist die Standsicherheit dieses Sessels einfach nicht mehr gegeben. Und Kinder spielen natürlich auch wild, und dann kippt dieser Sessel um. Haben wir eine Website die aussieht als wäre es von IKEA, dann würde man natürlich sagen, IKEA unterstützt diese Veränderungen oder heißt sie gut, und damit kommen wir ganz schnell in ein Problem, dass wir sozusagen diese Veränderungen gutheißen und damit eine Sicherheitsgefährdung gutheißen. Was wir nicht können.

    Trackback
    Also juristisch scheint die Sache absolut klar. Das Verwunderliche ist jetzt aber: Thomas Meyer hatte schon zum Start des Blogs und auch noch einen Monat später bei IKEA angefragt, und da wollten wir natürlich vom IKEA-Pressesprecher auch wissen, warum IKEA sich da nicht gleich gemeldet hat.

    IKEA
    Das kann ich leider nicht nachvollziehen. Aber sobald wir davon erfahren haben, haben wir mit Herrn Meyer telefoniert, haben ihm gesagt, also das Wichtigste, was sofort geändert werden muss ist das IKEA-Logo runter. Und dann hat eine Kollegin mit ihm ganz in Ruhe durchgesprochen was sind die einzelnen Knackpunkte. Er kann den Blog durchaus weiter betreiben, aber nicht den Eindruck erwecken vom Erscheinungsbild her, das sei eine IKEA Website. Und dafür haben wir ihm deutlich mehr als zwei Wochen Zeit gelassen, an dem Design etwas zu verändern. Und haben keinen Rechtsanwalt eingeschaltet, ihn nicht aufgefordert, den Blog wegzunehmen, sondern nur gesagt: sie können ihn weiter betreiben, aber in einer anderen Erscheinungsform.

    Trackback
    OK, dazu kommen wir gleich nochmal. Jetzt aber nochmal die Frage: das hilft also anscheinend nicht, wenn man selber sowas hat und das schon bedenklich findet, dass man dann irgendwo anruft oder eine Email hinschreibt. Warum hat das nicht geklappt?

    IKEA
    In der Regel klappt das schon. Warum es in diesem Fall leider schief gelaufen ist weiß ich nicht, aber nichts desto trotz ist das ja, so bald wir davon erfahren haben sind wir ganz fair mit ihm einfach in Kontakt getreten und haben gesagt so und so funktioniert das nicht.

    Trackback
    Warum jetzt also das nicht geklappt hat, das Thomas bei IKEA nachgefragt hat und er da keine Antwort bekommen hat, das werden wir also anscheinend nicht so richtig erfahren können. Allerdings ist es tatsächlich so, dass nicht nur der Pressesprecher von IKEA das so sieht, dass sie sehr fair gegenüber dem Thomas Meyer gehandelt haben, sondern das sieht auch die Blogsphäre selbst so.

An dieser Stelle schalteten Marcus Richter und Ole Stührmann von Radio Fritz zu Markus Trapp, der sich auf seinem Blog ausführlich zu den Vorgängen rund um www.ikeahacker.de geäußert hat. Trapp brachte dabei nun die Idee ins Spiel, ob IKEA sich nicht eine Zusammenarbeit mit “Ikeahackern” vorstellen könne.

    Trackback
    Und diesen Vorschlag aus der Blogosphäre wollten wir gleich mal weiterreichen und haben den Pressesprecher von IKEA gefragt, ob er sich nicht in irgend einer Form die Zusammenarbeit mit einem solchen Blog vorstellen könnte - sind damit aber auf Unverständnis gestossen.

    IKEA
    Also, das ist eine unabhängig betriebene Website von einem Menschen, der gerne das machen möchte, von Leuten, die das verändern, also da nehmen wir keinen Einfluß drauf. Also das fänd ich auch gegenüber der Bloggerszene, also, ganz im Ernst: das wär Betrug. Wenn wir da im Hintergrund mithörten. Also, ich mein: wie wirkt das denn, wenn wir einen freien Blog von jemandem betrieben, intern unterstützen. Dann heißt es: “ach, guck doch mal, und eigentlich ist es doch eine IKEA, eine von IKEA bezahlte Sache.” Und wie glaubwürdig ist dann noch der Blog, den Herr Meyer selbst betrieben hat. Also…

    Trackback
    Das hätte ja nicht um Bezahlung gehen müssen, man hätte doch einfach sagen können, dass man zum Beispiel genau diese Sachen anguckt, wo es um Sicherheit geht oder so was.

    IKEA
    Ja, also: nein. Es ist wirklich so eine Sache: die Leute stellen das rein, das ist auch völlig ok, aber bitte nicht den Eindruck erwecken es sei von IKEA. Da ist dann einfach die Grenze.

    Trackback
    Es scheint bei IKEA also wirklich nur zwei Formen von Werbung zu geben. Zum einen bezahlte Werbung - oder gar keine. Positive Effekte einer Existenz solcher Fanblogs scheinen für die Leute von IKEA eine ziemlich abwegige Idee zu sein. Wir haben dann aber wenigstens noch einmal wissen wollen, wie denn so ein Fanblog aussehen darf.

    IKEA
    Also, von IKEA gibt es urheberrechtlich geschützt Dinge wie den Namen IKEA. Wenn sie das Wort IKEA in ihrer Internetadresse haben erwecken sie den Eindruck als sei es eine IKEA-Website. Das ist ein geschützter Name. Das ist ein Problem. Das zweite ist das Logo, was er verändert hat. Das ist ein geschütztes Warenzeichen. Auch das ist verändert worden. Er ist Medienfachmann, er müsste das eigentlich wissen, dass er das nicht machen darf…

    Trackback
    Es geht jetzt aber nicht darum, was wir nicht dürfen, sondern was dürfen wir denn.

    IKEA
    Sie dürfen gerne ein Blog betreiben, wenn sie deutlich machen im Erscheinungsbild, dass es nicht von IKEA ist, und wenn sie nicht von IKEA geschützte Elemente wie den Namen, wie Logos oder wie Bilder verwenden. Also wenn sie eigene Fotos reinstellen ist das etwas anderes als wenn sie offizielle Fotos nehmen. Wenn sie ein IKEA-Logo verwenden, dann ist das schon wieder das Problematische. Also da müssen sie einfach eine eigene Kreativität entwickeln.

    Trackback
    Aber sie sagten auch gerade keinen Namen. Ich darf jetzt aber schon sagen, um welches Möbelstück es geht.

    IKEA
    Ja, natürlich, es geht um das Wort IKEA, also IKEA in der URL.

    Trackback
    Es geht also nur um das Wort IKEA im Titel und in der URL des Blogs.

    IKEA
    In der URL, genau, das Logo, alle diese Dinge. Wenn klar ist, es ist eine private Website, dann ist das überhaupt kein Problem. Also, dann machen wir damit wirklich kein Problem. Es geht wirklich darum, dass wir nicht die Verantwortung bekommen für Dinge, die wir nicht machen, weil die Ähnlichkeit so groß ist.

    Trackback
    Das sind also die Bedingungen, unter denen sich IKEA sich Fanblogs vorstellen könnte.

Anzumerken ist aus rechtlicher Sicht, dass Kai Hartmann gegen Ende des Interviews einige Aspekte durcheinanderwirft: mit Blick auf den Schutz des Namens “IKEA” dürfte er, wie auch beim Logo, eigentlich den markenrechtlichen Schutz meinen.

Bemerkenswert finde ich immer noch, dass IKEA hier vor allem mit Aspekten der Produktsicherheit argumentiert, die durch die “Hacks” beeinträchtigt werden könnte. Wie schon an anderer Stelle dargelegt kann ich persönlich es durchaus verstehen, wenn ein Unternehmen einer Verwendung seiner Marke in einer URL sehr zurückhaltend gegenübersteht.

So oder so illustrieren die Vorgänge um das Ikeahacker-Blog sehr schön, welchen Herausforderungen die Inhaber von Marken in Zeiten von “Web 2.0″ gegenüberstehen. Ob aus dem Fall am Ende ein “Model Case” wird, wird sich dabei noch zeigen müssen.

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Leserkommentare zum Beitrag


  1. 1 Monika Meurer

    Vielleicht findet ja mal ein Blogger-Treffen oder ein Barcamp im IKEA-Kaufhaus statt….

  2. 2 Jens-Christian Jensen

    Wie wärs mit einem Schreibtisch, der “Blogger” heißt? Klingt sogar nach IKEA ;)

  3. 3 Henning Krieg

    @Monika, JC:
    :-) Aber so weit ich weiß werden alle Artikel im Sortiment doch nach schwedischen Ortschafen, Flüssen, Seen usw. benannt…

  4. 4 Marnem

    Es gibt also eine Ortschaft, einen Fluß oder See mit dem Namen Gutvik?

  5. 5 Kai Müller

    Ich verstehe nicht ganz, welches Problem “die Blogosphäre” mit dem Wunsch von IKEA hat.
    Alle Argumente der Schweden sind nachvollziehbar, hier wird ein riesen Wirbel um einen Blog gemacht, der vielleicht 10 oder 15 Einträge hatte. Der erste Eintrag war übrigens ein Hack von mir. Auf meinem Blog sind weitaus mehr Beiträge dieser IKEA Hacks zu finden, aber IKEA scheint sich keineswegs daran zu stören - jedenfalls habe ich noch keine Nachricht von ihnen bekommen.

  6. 6 Henning Krieg

    @Kai Müller:
    Was die Position von IKEA angeht - das sehe ich bekanntermaßen ähnlich.

    Vielleicht ist es aber nicht verkehrt, dass gerade der Fall des Ikeahacker-Blogs für ein bißchen Aufsehen gesorgt hat: das Ganze ist für den “Ikeahacker” glimpflich abgelaufen, gleichzeitig illustriert es aber auch bestimmte rechtliche Grenzen. Und die zu kennen könnte für einige Menschen durchaus “kostensparend” zu sein. Insofern vielleicht doch ein “Model case”. :-)

  1. 1 Protokoll vom 11. August 2007 at Trackback
  2. 2 Nützliche Links: Online-Recht » BlogZwoNull

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