“71,1 Prozent wurden bei eBay betrogen”

Auf seinem Portal “wortfilter.de” hat Axel Gronen eine Umfrage zum Thema “Betrug bei eBay?” durchgeführt. Bemerkenswerte 3.769 Personen haben an der Befragung teilgenommen, und das Ergebnis scheint erschreckend: “71,1 Prozent wurden bei eBay betrogen“, titelt Gronen.

eBay hält sich mit konkreten Angaben zur Betrugsquote auf seiner Auktionsplattform traditionell zurück. Nur gelegentlich gibt zum Beispiel Firmenchefin Meg Whitman in Interviews an, dass der Anteil von Auktionen, in deren Verlauf es zu Schwierigkeiten komme, im Promille-Bereich oder sogar noch darunter läge.

Ein deutlicher Kontrast zu den Ergebnissen der Umfrage auf wortfilter.de. Diese Umfrage leidet jedoch darunter, dass die 3.769 Teilnehmer keine repräsentative Auswahl von eBay-Nutzern darstellen dürften. Axel Gronen selbst schreibt dazu:

Natürlich ist so eine Umfrage nicht repräsentativ, denn die Leser von www.wortfilter.de sind wohl meistens bereits länger bei eBay aktiv. Und das Ergebnis bedeutet natürlich keineswegs, dass eBay besonders unsicher wäre: Schließlich wächst die Gefahr, irgendwann einmal betrogen zu werden, mit der Zeit und der Zahl abgewickelter Transaktionen stetig an.

Unabhängig davon waren allerdings schon die Fragen der Umfrage leider so formuliert, dass das Ergebnis mit Blick auf die Betrugsquote bei eBay wertlos ist:

Betrugs-Umfrage

Anders, als in der ersten Frage suggeriert wird, liegt zum Beispiel auch dann häufig noch kein “Betrug” vor, wenn “bezahlte Ware nicht geliefert” wird. Geht beispielsweise ein Artikel beim Versand verloren, so ist dies kein “Betrug” des Verkäufers.

Und die Erfahrung zeigt, dass nicht hinter jeder vom Käufer angenommenen Abweichung der Ware von der Beschreibung auch ein “Betrug” steckt. Subjektive Unzufriedenheit auf Käuferseite impliziert (wie Juristen gerne sagen) nicht zwangsläufig eine Täuschung seitens des Verkäufers. Sprich: manchmal haben Käufer durchaus auch überzogene Erwartungen.

Aussagekräftige Zahlen zur Betrugsquote auf eBay liegen – öffentlich – nicht vor. Und ich bezweifle, dass dies einmal der Fall sein wird. Was mir durchaus möglich erscheint: einigermaßen verläßliche Zahlen zur subjektiven Zufriedenheit der eBay-Nutzer zu erheben. Und auf solche Zahlen wäre ich sehr gespannt.

Hinweis: ich habe in den Jahren 2000 und 2001 als “Manager Legal” für eBay Deutschland gearbeitet.

  1. Ziehen solche Umfragen nicht auch eher Leute an, die meinen, mal betrogen worden zu sein oder tatsächlich betrogen worden sind als jene, bei denen alles ok ist?

  2. Ich denke, dass auch das durchaus der Fall sein kann – was die Schräglage bei der Untersuchung leider noch verstärken würde.

Hinterlasse eine Antwort

Ich möchte per E-Mail über neue Kommentare zu diesem Artikel benachrichtigt werden (die Benachrichtigungen können jederzeit wieder abbestellt werden).