Wenn zu erklären versucht wird, was ein Blog ist, dann bemüht man in Deutschland fast unweigerlich das Bild des “virtuellen Tagebuches”: in einem Blog würden persönliche Beiträge online niedergeschrieben, und sie erschienen dann auf einer Webseite chronologisch sortiert. So kurz gegriffen und unzureichend der Vergleich mit Tagebüchern auch ist - tatsächlich ist Blogsoftware schlicht ein vielseitiges Content Management System, entsprechend vielfältig ist die Bloglandschaft -, so zutreffend ist doch eines: Die Beiträge auf Blogs sind in aller Regel chronologisch sortiert. Und damit sind Blogbeiträge von vornherein mit einer überaus kurzen Halbwertzeit versehen: was durch neuere Beiträge von der Startseite eines Blogs verdrängt wurde, das wird regelmäßig kaum noch wahrgenommen.
Das ist ein unbefriedigender Zustand. Auf vielen Blogs kommt es nämlich auf eine Tagesaktualität gar nicht an. Offensichtlich ist das zum Beispiel in der “blogosphärischen Entertainment-Sparte”: Beetlebums Cartoons sind genauso wie die Beiträge des bloggenden Polizisten “Steel” auch dann unterhaltsam, wenn sie bereits vor Wochen oder Monaten veröffentlicht wurden. Auch (und insbesondere) in den Archiven von Fach- und Special-Interest-Blogs schlummern in den Archiven unzählige ältere und weniger beachtete, aber nichtsdestotrotz nicht weniger lesenswerte Artikel. Solange diese aber nicht in prominenter Weise beworben werden, schlafen sie meist weiter ihren Dornröschenschlaf.
Das ist aber auch ein unbefriedigender Zustand, der sich verbessern ließe. Wenn es beispielsweise eine unkomplizierte Möglichkeit gäbe, aus dem eigenen Blog ein ansehnliches Ebook im PDF-Format zusammenzustellen. Dann nämlich ließe sich ein ganzes Blog oder auch beliebige Auszüge davon zum Download anbieten. Dadurch, dass das Blog quasi offline verfügbar wäre, würden auch die älteren Beiträge noch einmal mehr Aufmerksamkeit erfahren können. Weitere große Vorteile: mit einem Ebook im PDF-Format lassen sich mit großer Sicherheit nicht nur Leser in anderen Situationen als die typischen Blogleser erreichen - wenn sie nämlich nicht online sind -, sondern auch Leser mit anderen Lesegewohnheiten.
Das Ganze ließe sich in Form eines Plugins ermöglichen, das auf dem Blog aufgesetzt wird und einen Blogbetreiber in die Lage versetzt, sich auf Basis seiner Blogbeiträge - und eventuell auch der dazu abgegebenen Kommentare - sein eigenes Ebook einfach zusammenzuklicken.
Einige wichtige Features eines solchen Plugins wären:
Freie Auswahl der Beiträge
Nicht jeder Beitrag eignet sich unbedingt für ein Ebook - wichtig wäre deshalb, dass nicht automatisch alle Beiträge übernommen werden, sondern sich die Beiträge zusammenstellen lassen. Hierdurch auch möglich: Jahrbücher oder Ebooks nur zu speziellen Themen.
Neue Sortierung der Beiträge
Die gleiche chronologische Reihenfolge der Beiträge wie auf dem Blog macht macht in einem Ebook vielleicht nicht unbedingt Sinn - daher sollte die Sortierung der Beiträge beliebig gestaltet werden können.
Übernahme ausgewählter Kommentare
Es wäre reizvoll, auch Kommentare in das Ebook übernehmen zu können. Technisch dürfte dies ohne große Schwierigkeiten machbar sein - praktisch müssten die Blogbetreiber dann darauf achten, nicht eventuelle Urheberrechte der Kommentatoren zu verletzen.
Möglichkeit zur Ergänzung
Neue Texte sollten in das Ebook eingebunden werden können, ohne dass sie zuvor auf dem Blog veröffentlicht worden müssen. So lassen sich Erläuterungen integrieren oder kann man sich mit seinen älteren Beiträgen im Ebook noch einmal auseinandersetzen.
Attraktives und flexibles Layout
Schließlich steht und fällt ein “Ebuch” wie jede andere Publikation auch mit dem Layout. Ein - oder mehrere - attraktive Grundlayouts sollte das Plugin bereithalten, und eventuell die Möglichkeit, das Layout auch selbst noch weiter anzupassen.
Freie Ebooks im PDF-Format können eine überaus große “Auflage” erreichen, sprich: eine hohe Anzahl von Downloads - eines von vielen möglichen Beispielen ist in dieser Hinsicht Prof. Hoerens Buch zum Internet-Recht, das inzwischen über 100.000mal heruntergeladen worden ist. Ein “Blog-to-Ebook” Plugin könnte zum Katalysator für die Reichweite vieler Blogautoren werden - und vielleicht auch den Medienbruch zwischen Online- und Offlinewelt ein kleines Stück weiter überbrücken. Ich bin gespannt, ob es ein solches Plugin geben wird.