Monthly Archive for Januar, 2008

Deutschsprachige Blawg-Verzeichnisse

Im Dschungel der “Blogosphäre” ist es nahezu unmöglich, auch nur annähernd einen Überblick über das Treiben zu behalten (was meiner Meinung nach auch gerade einen der Reize dieser “Sphäre” ausmacht). Was die deutschsprachige “Blawgosphäre” angeht - also die Gruppe der juristischen Weblogs -, so gibt es hier zumindest einige Verzeichnisse und Aggregatoren, die die Übersicht etwas erleichtern:

Jurablogs - der Aggregator

    Jurablogs veröffentlicht - nach Genehmigung durch die Autoren - Inhalte ausgewählter Weblogs zu juristischen Themen. Das Ganze geschieht unter Nutzung von “Snippets”, also nur der Anfänge der jeweiligen Blogbeiträge - zur Lektüre des ganzen Beitrags werden die Leser von Jurablogs auf das eigentliche Blawg verwiesen. Jurablogs bietet die Möglichkeit, einen RSS-Feed zu abonnieren und dadurch laufend den Überblick über mehr als 100 deutschsprachige Blawgs zu behalten.

Wikio - das Informationsportal

    Wikio ist ein in mehreren europäischen Ländern angebotenes Informationsportal, auf dem aktuelle Meldungen aus Medien und Blogs zusammengestellt werden. Wikio Deutschland bietet einen eigenen Schlagzeilendienst für Blawgs - und mit einem monatlich aktualisiertem Ranking (das das Maß der Verlinkung der Blogs für die Bewertung zugrunde legt) zugleich eine Übersicht über die nach Ansicht von Wikio 100 bekanntesten Blawgs.

GermanBlawgs - der OPML-Lieferant

    GermanBlawgs stellt eine OPML-Datei zur Verfügung, in der eine Großzahl der aktiven deutsprachigen juristischen Weblogs aufgelistet sind - und zwar in einem maschinenlesbaren Format, so dass die Einträge einfach in einen beliebigen Feedreader importiert werden können. Derzeit sind hier 193 Blawgs verzeichnet. Über das Blog von GermanBlawgs lässt sich die Liste auch unmittelbar und ohne Feedreader einsehen.

Das Stöbern in den Verzeichnissen kann sich durchaus lohnen. Juristen haben ja ständig etwas Wichtiges zu sagen.

Perlentaucher.de: FAZ und Süddeutsche ziehen vor den BGH

Nachdem sie mit ihrer Klage gegen die Betreiber des Internet-Kulturmagazins Perlentaucher.de sowohl vor dem Land-, wie auch vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main gescheitert sind, gehen die FAZ und die Süddeutsche Zeitung nun in die Revision vor den Bundesgerichtshof.

Perlentaucher.de stellt auf seiner Webseite unter anderem neu erschienene Bücher vor und rezensiert diese. FAZ und Süddeutsche Zeitung stören sich daran, dass Perlentaucher.de dabei nicht nur eigene Buchbesprechungen veröffentlicht, sondern daneben auch kurze, selbst angefertigte Zusammenfassungen (so genannte “Abstracts”) von Rezensionen online stellt, die zuvor bei FAZ und Süddeutscher erschienen sind. Zum Teil enthalten diese Abstracts, für die Perlentaucher.de einigen Internet-Buchhändlern das Recht zur Nutzung einräumt, auch einzelne Zitate und Passagen aus den Originalkritiken von FAZ und Süddeutscher.

Landgericht und Oberlandesgericht Frankfurt am Main sahen die Rechte der Verlagshäuser durch diese Abstracts nicht verletzt. Ein generelles Verbot solcher “Berichte über Berichte” komme nicht in Betracht, und eine konkrete Verletzung hätten die Verlagshäuser - obwohl nicht von vornherein auzuschließen - ebenfalls nicht nachweisen können. Offen ist - und nun geklärt wird - ob diese Sichtweise auch von den Bundesrichtern geteilt werden wird. Eine ausführliche Besprechungen der Entscheidung des OLG findet sich hier, und eine Stellungnahme von Perlentaucher.de zur nun angekündigten Revision hier.

Bloggen & Recht - Vortragsfolien vom WordCamp08

Auf dem WordCamp08 - einer Konferenz rund um das Bloggen im Allgemeinen und die Blogsoftware Wordpress im Speziellen - habe ich am vergangenen Wochenende in Hamburg zwei Sessions zum Thema “Bloggen & Recht” angeboten. Das Ganze hat mir sehr viel Spaß gemacht, vielen Dank an dieser Stelle auch noch einmal an alle Teilnehmer der Sessions für die rege Beteiligung und die interessanten Diskussionen.

Hier stelle ich dann gerne auch einmal meine Vortragsfolien zu den “Do’s und Don’ts beim Bloggen” zum Download zur Verfügung - mit Klick auf die Grafik öffnet sich ein PDF-Dokument in einem neuen Fenster.



Bloggen & Recht

Wie es bei Präsentationen nun einmal so ist reissen die Folien die Thematik allerdings eher an, als dass sie - für sich genommen - einen tieferen inhaltlichen Einblick in die Materie geben würden.

Da bietet es sich doch an, diesen Post auch gleich für eine Ankündigung zu nutzen: schon länger habe ich auch eine umfassende Artikelserie zum Thema “Bloggen und Recht” im Sinn. Deren Veröffentlichung wird nun in dieser Woche beginnen - mehr an dieser Stelle in ein paar Tagen.

WSJ: Meg Whitman (CEO eBay) plant Rücktritt

Nach Angaben des Wall Street Journals plant Meg Whitman, CEO von eBay, ihren Abgang. Whitman steht eBay seit März 1998 vor. Sie hat den Online-Auktionator nicht nur bereits durch die Zeit der “ersten Blase” geführt, sondern ist damit derzeit auch eine(r) der dienstältesten CEOs im Silicon Valley.

Die Nachricht kommt nicht gänzlich überraschend - nicht nur, weil John Donaho, President Marketplaces bei eBay, bereits immer mal wieder als Nachfolger Whitmans ins Spiel gebracht wurde, sondern auch weil Whitman, die den republikanischen “Präsidentschaftskandidaten-KandidatenMitt Romney unterstützt, politische Ambitionen nachgesagt werden.

Qualitätsdiskussion des DJV: One for the show

Als der Deutschen Journalisten-Verband eine Podiumsdiskussion zum Thema “Anarchie oder Regeln? Journalismus im WWW” für den vergangenen Donnerstag ankündigte wußte ich nicht genau, was ich von der Veranstaltung erwarten sollte. Nach der Diskussion bin ich mir nicht unbedingt schlüssiger darüber, was ich nun von ihr halten soll.

Hans-Ulrich Joerges vom Stern

Wohl als Reaktion auf den Protest, den der DJV-Vorsitzende Michael Konken mit seinen, sagen wir, kritischen Äußerungen über Blogs hervorgerufen hatte lud der DJV zur Diskussion - Journalisten, Blogger und einen Medienwissenschaftler, insgesamt sieben an der Zahl, und damit schon rein quantitativ eine schlechte Besetzung für eine gute Diskussion.

Michaela May, Thomas Knüwer und Don Alphonso

Michaela May (N24), Thomas Knüwer (Handelsblatt)
und Don Alphonso (Don Alphonso)

Dass nichts Gutes bei der Diskussion herausgekommen ist liegt aber nicht nur an dieser (Über-) Besetzung. Von vornherein scheint der DJV ebensowenig wie ich gewusst zu haben, wo er mit der Diskussion denn überhaupt hinwollte. So hieß es in der Presseerklärung zur Veranstaltung: “Zwei aktuelle Gerichtsurteile zeigen aus Sicht des Deutschen Journalisten-Verbandes, dass der Online-Journalismus vor neuen qualitativen Herausforderungen steht.

Michael Konken

Diese zwei Urteile waren dann allerdings ausgerechnet die Perlentaucher-Entscheidung des OLG Frankfurt sowie das Hamburger Urteil gegen Stefan Niggemeier, in dem dieser für auf seinem Blog abgegebene Kommentare verantwortlich gehalten wird. Beide Verfahren haben meiner Meinung nach wenig (Niggemeier) bis gar nichts (Perlentaucher) mit dem Thema der Qualitätsstandards im Onlinejournalismus zu tun.

Björn Sievers

Björn Sievers (Focus Online)

Bezeichnenderweise wurde das Perlentaucher-Urteil dann auch weder an-, geschweige denn besprochen. Über Leserkommentare auf Blogs, in Foren und auf Medienseiten läßt sich - und ließ sich dann auch - zwar trefflich diskutieren. Aber hier diskutiert man (insbesondere im Licht der Hamburger Entscheidung) doch eher nicht über den Kern der vom DJV aufgeworfenen Frage: was sind die Standards für guten Journalismus im Internet.

Prof. Wolfgang Donsbach

Prof. Wolfgang Donsbach (Uni Dresden) und
Alexander Fritsch (Reuters, Moderation)

Dabei bietet sich gerade - und gerade jetzt - die Frage nach dem Rechtsrahmen als Ausgangspunkt für die Diskussion über die ethischen und qualitativen Standards in den Onlinemedien an. Denn mit den §§ 54 ff. des Rundfunkstaatsvertrags existieren telemedienrechtliche Vorschriften, deren Reichweite bislang kaum geklärt ist. Es würde mich nicht überraschen, wenn 2008 zum ersten Mal das Recht auf eine Gegendarstellung in einem Blog durchgesetzt würde.

Porsche Serviette bei VW

Lokationssponsor (zumindest den Servietten nach)

Was die Podiumsdiskussion des DJV angeht - nach ihr bin ich immerhin über eines besser im Bilde: ich muss mich noch etwas vertrauter mit der Weißabgleichfunktion meiner Kamera machen (siehe oben). Das ist doch auch schon mal eine Erkenntnis.

(Die Diskussion wurde vom DJV aufgezeichnet und kann hier im Video nachverfolgt werden. Wer sich einen Überlick über die anschließende Diskussion im Netz verschaffen möchte, der findet bei onlinejournalismus.de eine umfassende Übersicht.)

Links #2

Gulasch mallorquinischer Art
Ole von Beust, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, scheint in eine Abofalle getappt zu sein.

Verbraucherzentrale geht gegen “Kostenfallen” vor
Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. hat Urteile gegen die Betreiber von alphaload.de und genealogie.de erstritten.

RechtReal
Hendrik Wieduwilt bloggt zum Thema “Metaversen und Recht“.

“Forenhaftung” in Frankreich
Eine Übersicht über neue Rechtsprechung zur Haftung für fremde Inhalte in Frankreich.

Ausblick 2008
Telemedicus gibt einen Überblick darüber, welche medienrechtlichen Themen 2008 anstehen.

Keine Hexerei!
Wenn Hermione das wüsste..

Der Tritt ins Gesäß…
Auch Arbeitsrechtler haben so ihren Spaß.

“Regeln oder Anarchie?” - Livestream zur DJV-Diskussion

Wie schon erwähnt lädt am heutigen (Donnerstag) Abend der DJV - der Deutsche Journalistenverband - in Berlin zu einer voraussichtlich spannenden Podiumsdiskussion: vermutlich vor allem über das Spannungsverhältnis von Journalismus und Blogging wird dort eine - wie man so schön sagt - “hochkarätige Runde” diskutieren.

Das Interesse an der Veranstaltung war größer als der Veranstaltungsort Plätze bereithält. Für all diejenigen, die nicht vor Ort sein können, an der Diskussion aber dennoch interessiert sind, bietet der DJV nun hier einen Livestream der Diskussion an - los geht es um 18.50 Uhr.

„Qualitätsstandards sind gefragt“

Der DJV – der Deutsche Journalistenverband – lädt am morgigen Donnerstag ab 19.00 Uhr unter der Überschrift „Regeln oder Anarchie? - Journalismus im WWW“ zu einer hoffentlich (ich werde mir das Ganze wohl ansehen) interessanten Veranstaltung in Berlin: über das Spannungsverhältnis zwischen Journlismus / Journalisten und Blogging / Bloggern diskutieren dort Hans-Ulrich Jörges vom Stern, Prof. Dr. Wolfgang Donsbach von der Universität Dresden, Thomas Knüwer vom Handelsblatt, Michaela May von N24, Björn Sievers von Focus Online, Don Alphonso und der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken.

Die Zusammensetzung der Diskussionsrunde verspricht „ein gerüttelt Maß an Unterhaltung“, Thomas Knüwer läuft sich hier bereits einmal warm. Die Pressemeldung (sic!) zur Veranstaltung lässt dabei aufhorchen: während die Überschrift der Meldung „Qualitätsstandards sind gefragt“ die Intention des DJV doch deutlich durchscheinen lässt kann ich allerdings nicht erkennen, warum dort im Zusammenhang mit dieser Podiumsdiskussion dann gerade das Perlentaucher-Urteil und die Entscheidung zur „Forenhaftung“ gegen Stefan Niggemeier vor dem Landgericht Hamburg erwähnt werden – beide Verfahren haben eher wenig, wenn nicht gar gar nichts mit dem Thema der Qualitätsstandards im Onlinejournalismus zu tun.

Hinweis: Wer die Diskussion ebenfalls genießen möchte, der kann sich offenbar noch unter djv@djv.de für diese Veranstaltung anmelden – weitere Informationen hier.