Monthly Archive for Juli, 2007

Entwicklung der eBay Nutzerzahlen zwischen 2003 und 2007

Im vorhergehenden Beitrag habe ich einige Grafiken veröffentlicht, die die Entwicklung der Nutzerzahlen von eBay in den vergangenen vier Jahren illustrieren. Da ich mehrfach auf die den Grafiken im Detail zugrundeliegenden Daten angesprochen worden bin (insbesondere auf die berechneten Steigerungsraten zwischen den Quartalen) mache ich diese gerne auch in tabellarischer Form verfügbar (Klick auf das Bild öffnet eine Tabelle im PDF-Format):

Entwicklung eBay Userzahlen 2003 bis 2007

Erneut der Hinweis, dass diese aus eBays eigenen Quartalsberichten zusammengestellten Zahlen eindrucksvoll erscheinen - aber, trotz aller Deutlichkeit, natürlich nur von begrenzter Aussagekraft sind, weil Faktoren wie die Anzahl der getätigten Ein- und/oder Verkäufe oder die Höhe des getätigten Umsatzes bei dieser Übersicht ausser Betracht bleiben.

Zwei Drittel der eBay-Nutzer Karteileichen - Teil II

Vor kurzem hatte ich auf eine Übersicht hingewiesen, nach der rund zwei Drittel der weltweit bei eBay registrierten Nutzer nur (noch) Karteileichen sind (als Karteileiche gilt dabei, wer innerhalb der letzten 12 Monate über seinen eBay Account weder etwas ge- noch verkauft hat).

Ich habe mir die Zahlen einmal etwas näher angeschaut, die vierteljährlichen Veränderungen im Detail berechnet und das Ganze dann grafisch aufbereitet:

Absolute Mitgliederzahlen eBay weltweit

eBay Nutzer weltweit

Schon bei dieser Übersicht ist zu erkennen, dass die Gesamtzahl der weltweit bei eBay registrierten Nutzer (blaue Linie) bei leichter Abflachung der Kurve zwar immer noch relativ beständig steigt, die Schere zwischen den Kurven für die aktiven (pinkfarbene Linie) und die inaktiven Nutzer (gelbe Linie) jedoch zunehmend auseinandergeht.

Absolute Steigerungen der Nutzerzahlen im Vergleich zum Vorquartal

eBay Nutzer weltweit, absoluter Zuwachs pro Quartal

Hier ist nun deutlich zu erkennen, dass es eBay - obwohl sich die Anzahl der vierteljährlich neu gewonnenen Nutzer relativ konstant um die 10 Millionen zu bewegen scheint - zunehmend schwieriger fällt, die Gesamtzahl der aktiven Nutzer weiter zu erhöhen. Mehr und mehr scheinen die neuen Mitglieder nur noch den Verlust wieder abspringender Nutzer zu kompensieren.

Prozentuale Steigerungen der Nutzerzahlen im Vergleich zum Vorquartal

eBay Nutzer weltweit, prozentualer Zuwachs pro Quartal

Die Übersicht über die prozentualen (und nicht absoluten) Steigerungen der Nutzerzahlen illustriert schileßlich zunächst den Trend, den schon die Grafik zu den absoluten Zuwächsen verdeutlicht. Gleichzeitig zeigt sie allerdings auch auf, dass sich die Wachstumskurve in Relation zur gesamten “User-Base” immer stärker abflacht.

“The greater picture”

Diese aus eBays eigenen Quartalsberichten zusammengestellten Zahlen scheinen eindrucksvoll. Allerdings sind sie, bei aller Deutlichkeit, natürlich nur von begrenzter Aussagekraft. Denn zum Beispiel

    - lassen sich aus der bloßen Information über die Zahl der registrierten Nutzer nur beschränkte Rückschlüsse ziehen - Faktoren wie die Anzahl der getätigten Ein- und/oder Verkäufe oder die Höhe des getätigten Umsatzes bleiben hier vollkommen außer Betracht; dass aber gerade diesen Daten eine überragende Bedeutung für die Monetarisierung seitens eBay zukommt, ist offensichtlich;

    - stellt sich die Frage, wie die jeweiligen Zuwächse zustande gekommen sind - auf “organischem” Weg, oder aber auch durch Zukäufe von (internationalen) Mitbewerbern (was sowohl für den Neugewinn, aber auch für die spätere Aktivitätsquote der User von Bedeutung ist bzw. sein kann);

    - dürften die Zahlen für einzelne Märkte wie zum Beispiel Deutschland, Großbritannien oder die USA unter dem Strich mindestens ebenso interessant, eventuell sogar noch aussagekräftiger sein als diese welttweiten Übersichten.

Es bleibt spannend zu sehen, wie sich eBay - sowohl die Marktplätze, als auch der gesamte Konzern - in Zukunft entwickeln wird. Wer sich für das Thema interessiert, findet beispielsweise bei Jochen Krischs Exciting Commerce Blog regelmäßig interessante Updates. Und zum Thema der Monetarisierung von Businessmodels im Web (2.0) sei beispielhaft auf diese Präsentation von Frank Engel hingewiesen.

Linden Lab verbietet Glücksspiel in Second Life

Die “virtuelle Sex-Industrie” und das Glücksspiel gelten bislang als zwei der Umsatzbringer in Second Life - doch das wird sich ändern. Denn ab sofort verbietet Linden Lab zumindest das Glücksspiel in seiner virtuellen Welt:

“While Linden Lab does not offer an online gambling service, Linden Lab and Second Life Residents must comply with state and federal laws applicable to regulated online gambling, even when both operators and players of the games reside outside of the US. And, because there are a variety of conflicting gambling regulations around the world we have chosen to restrict gambling in Second Life” (Quelle).

Erst vor wenigen Monaten hatte das US-amerikanische FBI sich mit einigen Casinos in Second Life auseinandergesetzt - was von manchen Beobachtern jedoch, zumindest mit Blick auf die mediale Aufarbeitung des Vorgangs, eher als ein Marketing Coup Linden Labs betrachtet wurde.

Der jetzige Schritt dürfte jedoch weit mehr sein als nur eine Marketing-Aktion. Durch Linden Lab verboten sind nun praktisch alle Formen des üblichen Glücksspiels - Blackjack, Poker, Roulette und “einarmige Banditen” ebenso wie Sportwetten. Linden Lab droht eine nachhaltig Durchsetzung des Verbots und Sanktionierung von Verstößen an:

“Linden Lab will actively enforce this policy. If we discover gambling activities that violate the policy, we will remove all related objects from the inworld environment, may suspend or terminate the accounts of residents involved without refund or payment, and may report any relevant details, including user information, to authorities and financial institutions.”

Die zur Policy veröffentlichen FAQ (”Fragen und Antworten”) klingen dabei allerdings nicht sonderlich danach, dass Linden Lab sich selbst aktiv um das Ent- und Aufdecken von Glücksspiel bemühen wollen würde:

“Our staff will review, investigate and respond to appropriate notices. We may retain additional staff or services to conduct this activity. When we discover objects or games within Second Life that meet the policy’s definition, we will remove them from Second Life.” (Hervorhebung hinzugefügt)

Trotz der Aufmerksamkeit, die virtuelle Casinos in Second Life - vor allem auch in den Medien - genossen haben, ist deren tatsächliche wirtschaftliche Relevanz bislang nicht unbedingt leicht zu erkennen. So sollen die drei größten Casinos in Second Life gerade einmal Gewinne in Höhe von monatlich jeweils rund 1.500 US$ erwirtschaftet haben.

Interessant ist Linden Labs Vorgehen gegen das Glücksspiel vor allem deshalb, weil die Firma zunehmend unter Druck gesetzt werden dürfte, auf eine Einhaltung der “Real Life Gesetze” zu achten. Während Second Life Chef Philip Rosedale in einem vor kurzem im Focus abgedruckten Interview noch so verstanden werden konnte, dass er den Ball eher den staatlichen Behörden zuspielen will, tritt man nun also selbst in Aktion.

Linden Labs vollständiges Statement und die entsprechende Policy finden sich hier auf dem offiziellen Linden Blog (wo die neue Policy auch bereits ausführlich diskutiert wird). Ebenfalls lesenswert in diesem Zusammenhang: “Gambling with Second Life” und “Linden Lab is in denial about its gambling problem

eBay: zwei Drittel der Nutzer Karteileichen

eBay ist - quasi seit je her - eines der E-Commerce-Unternehmen mit den weltweit meisten Nutzern. Axel Gronen von wortfilter.de hat sich nun einmal die Mühe gemacht, den in den Quartalsberichten der vier letzten Jahre von eBay berichteten weltweiten Nutzerzahlen die Anzahl der inaktiven Nutzer gegenüberzustellen.

Bemerkenswert ist dabei, dass nicht nur die absolute Anzahl der inaktiven eBay-Nutzer naturgemäß steigt, sondern auch ihr prozentualer Anteil an der Gesamtzahl der Nutzer immer größer wird. Hatten Mitte 2003 noch “lediglich” knapp 55 Prozent der registrierten eBay-Nutzer die Plattform in den zurückliegenden zwölf Monaten nicht mehr genutzt, so waren es im vergangenen Quartal mehr als 65 Prozent.

Ebenfalls auffallend: während der letzten vier Jahre hat eBay pro Quartal durchschnittlich rund 3 Millionen neue aktive Nutzer hinzugewonnen. Betrachtet man allerdings nur die zurückliegenden vier Quartale, so ergibt sich ein deutlich schlechterer Durchschnittswert von nur noch rund 1,4 Millionen neuer aktiver Nutzer pro Quartal.

Zur vollständigen Gegenüberstellung geht es hier.

Das Kleingedruckte und das Kurzgedruckte

Bei so wenigen “sichtbaren Worten” fehlen mir fast dieselbigen:

Scrollbox

Zur dazugehörigen eBay-Auktion geht es hier.

Hinter dieser Scrollbox verbirgt sich übrigens ein Text mit insgesamt gut 9.200 Zeichen - wer ihn ganz lesen wollte, müsste sich also durch rund 500 Zeilen quälen

(zur - grundsätzlich durchaus zulässigen - Verwendung von Scrollkästen bei der Widerrufsbelehrung und der Einbeziehung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen siehe auch den Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 09.05.2007, Az 6 W 61/07).

Second Life und Co: Cyworld steigt in den Ring

Der Deutschlandstart von Cyworld wurde bereits Mitte letzten Jahres angekündigt, nun wird es ernst: vom 27. bis 29. Juli präsentiert sich Cyworld Deutschland auf der Skatermesse Bright in Frankfurt am Main.

Was Cyworld ist? Ein Social Network, das auf seinem koreanischen Heimatmarkt von circa einem Viertel bis der Hälfte der Bevölkerung genutzt wird - in der Gruppe der 20- bis 30jährigen sogar von rund 90 Prozent der Koreaner. Cyworld setzt dabei nicht nur auf Blogs, Videos, Fotos etc., sondern auch auf eine 3D(-mäßige) Darstellung - und gilt daher auch als einer der potentiellen Herausforderer von Second Life.

Mit seiner Marktdurchdringung ist Cyworld ein Gigant auf seinem Heimatmarkt. Da sich die koreanische (Internet-)Kultur allerdings deutlich von der westlichen unterscheidet bleibt abzuwarten, ob sich die Plattform auch hierzulande durchsetzen kann und wird - und welche Anpassungen man bei der Internationalisierung vornimmt, um auf die kulturellen Unterschiede zu reagieren. Hintergrundinformationen zum Thema hier.

via off the record
(lesenswert hier nicht nur der Beitrag selbst,
sondern auch der erste der Kommentare von Ji-San Shin)

zur Pressemeldung geht es hier

Google wurde die Marke abgenommen

Trotzdem wohl eher ein Job für den Sicherheitsdienst als für die Rechtsabteilung. Siehe hier.

Mediacamp Hamburg: alle Details & Anmeldung

Nachdem bislang nur der Termin für das MediaCamp “rund um die Zukunft der alten und neuen Medien im Netz”, nicht aber die näheren Einzelheiten öffentlich bekannt waren, ist die Katze nun endlich ganz aus dem Sack: das MediaCamp wird auf dem am 8. September in Hamburg stattfindenden “jonet-Tag” aufsetzen, einer Veranstaltung des Journalisten-Netzwerks “jonet“.

Aus der Ankündigung:

“Alle zwei Jahre treffen sich Mitglieder und Nicht-Mitglieder des jonet, um miteinander zu diskutieren und sich über neue Entwicklungen im Journalismus auszutauschen. Die beiden letzten Jonet-Tage waren wie klassische Konferenzen organisiert. In diesem Jahr wollen wir den Jonet-Tag ein wenig anders gestalten, nämlich in Form eines Barcamps. Weil parallel die Idee eines Media(Bar)Camps aufkam, haben wir uns einfach zusammengetan. Die Grundidee: Jeder kann mitmachen und einen Workshop organisieren, der sich mit der Zukunft alter und neuer Medien befasst. Alle Teilnehmer entscheiden dann, welche Workshops wirklich stattfinden” (Quelle).

Im Vergleich zu den bisherigen BarCamps wird es deutliche Veränderungen des Konzepts geben:

Falk Lüke, der die Idee des MediaCamps aufgebracht und vorangetrieben hat, äußert sich im Interview mit Daniel Fiene zu den Veränderungen.

Ich bin gespannt, ob das BarCamp-Konzept auch in dieser Form aufgehen wird. Sehr positiv finde ich, dass anscheinend eine Lösung gefunden werden konnte, um tatsächlich alte und neue Medien - respektive die Menschen dahinter - zusammen zu bringen (allerdings ist mir die Mitgliederstruktur von jonet nicht bekannt). Der moderate Teilnehmerbetrag, der für Studierende etc. auch noch einmal etwas niedriger liegt, ist in meinen Augen kein Manko.

Auffallend ist allerdings die Sessionstruktur: die Beschränkung auf insgesamt maximal 15 Sessions wird wohl kaum kleinere Workshops zulassen, die sich auch mit (deutlicheren) Spartenthemen beschäftigen. Und (potentiell) längeren Sessions gegenüber bin ich selbst ja nicht abgeneigt - die grundsätzliche Ausdehnung auf jeweils 1 1/2 Stunden könnte jedoch dazu führen, dass die auf BarCamps in den Sessions herrschende, konzentrierte Atmosphäre verwässert wird. Gespannt (aber nicht notwendigerweise skeptisch) bin ich auch darauf, ob sich auf einem unter dem Strich letztlich “gut halbtägigen MediaCamp” die sehr offene Atmosphäre eines BarCamps schaffen lässt, oder ob sich diese erst bei längeren Veranstaltungen einstellt.

Aber es gilt: hinterher ist man immer schlauer. Und von vornherein quengeln sollte man meiner Meinung nach erst recht nicht.